(c) Pester Lloyd / 51 – 2009 WIRTSCHAFT 18.12.2009
Nachrichten von Tank- und Problemstellen der ungarischen MOL
Die MOL hält, im Gegensatz zu anderen, die Befüllung von Nabucco mit Erdgas aus dem Iran für „ganz normal“, will von der EU mehr Geld für den Pipeline-Bau, kooperiert mit der RAG Österreich bei Bohrungen in Ungarn, zahlt erstmal keine Strafe für die unartige Tochter Slovnaft in der Slowakei und hat mit der INA in Kroatien so viel am Hals, dass es 2010 kaum Geld und Kapazitäten für neue Akquisitionen geben wird.
Am Mittwoch unterzeichnete die ungarische MOL mit der Österreichischen Rohöl-Aufsuchungs-Aktiengesellschaft, RAG, eine Kooperationsverinbarungen über gemeinsame Bohrungen in Ungarn. Es gehe dabei um Explorationsgebiete, die bereits über Bohrlizenzen verfügen. Die Vereinbarung beinhaltet auch einen Passus über „den bevorzugten Status“ des jeweilig anderen Unternehmens bei zukünftigen Operationen. Die RAG, gegründet 1935, ist die älteste unbahängige Öl- und Gasunternehmung Österreichs und u.a. auch in Polen und Deutschland tätig. Außerdem betreibt die RAG eines der größten unterirdischen Erdgaslager Europas. Gemeinsam mit Patnerunternehmen wird man bis 2011 5 Milliarden Kubikmeter Gas einlagern können. Die Kooperation der MOL erhöht demnach auch die Versorgungssicherheit für berfürchtbare Winterlieferkrisen. Für Aufsehen sorgte einmal mehr der Vorstandschef der MOL, der Anfang der Woche in einem Interview mit dem deutschen Handelsblatt erklärte, auch Gaseinspeisungen für Nabucco aus dem Iran in Betracht zu ziehen. „Früher oder später werden wir unser Gas auch aus dem Iran beziehen“, sagte er und gab zu, dass man „auf technischer Ebene“ schon seit längerem Kontakte pflege. Das sei doch „vollkommen normal“. Andere Mitglieder des Nabucco-Konsortiums, wie z.B. RWE, halten sich bei dem Thema, zumindest offiziell, hörbar zurück. Angesichts der politischen Großwetterlage (Unterdrückung der Opposition, Atomfrage, Israel) ist Iran noch eine No-Go-Area.
Das meiste Gas soll ab 2014 aus Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan kommen. Aber auch diese friedlichen Staaten, sind aufgrund nicht unerheblicher politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme Russlands, keine garantierten Lieferanten. Hernádi forderte weiterhin mehr Geld und Unterstützung von der EU. „Osteuropa braucht einfach zusätzliche Transportwege, um seine Versorgung zu sichern.“ und klagte: „Die europäische Energiepolitik verstehe ich manchmal überhaupt nicht“, schließlich, so Hernádi, seien in der Gaskrise im vergangenen Winter „nicht im Westen, sondern im Osten die Heizungen ausgefallen.“ Ob, andersherum die EU immer den MOL-Chef versteht (Stichwort Lex MOL), ist eine andere Geschichte. Befragt nach weiteren Akquisitionen in 2010, bremste Hernádi deutlich. Man habe mit der Integration und Sanierung der INA in Kroatien mehr als genug zu tun, daher werde es vorerst keine größeren Zukäufe geben. Zum Dauerstreit mit Surgutneftegas äußerte sich der MOL-Chef diesmal nicht. Vorerst gute Nachrichten kommen aus der Slowakei. Das Bezirksgericht Bratislava hat eine Strafe des Slowakischen Antikartellamtes vom Dezember 2007 über rund 10 Mio EUR aufgehoben, meldet die Agentur SITA. Das Wettbewerbsamt sprach diese aus, weil Slovnaft, eine MOL-Tochter, ihre „dominante Markposition mißbraucht“ habe. Ganz ausgestanden ist die Sache damit jedoch noch nicht. Das Gericht gab den Fall an die Behörde für konkretere Ermittlungen zurück. Das Wettbwerbsamt kündigte auch umgehend an, eine neue und erweiterte Ermittlung durchführen zu wollen. Bestraft wurde vor zwei Jahren die, nach Ansicht der Wettbeerbshüter, irreguläre Informationspolitik der Slovnaft bei der Preisgestaltung bzw. -erhöhung. Slovnaft habe ohne nachvollziehbare Gründe, für manche Endkunden die Preise erhöht, für andere nicht. Diese „Rabatt-Diskriminierung“ im Jahre 2005 traf vor allem die Shell Slovakia, die für Treibstoff für ihre Tankstellen mehr bezahlen musste, obwohl das Auftragsvolumen größer war als jenes der konkurrierenden OMV Slovensko.
Hintergründe, Berichte und Nachrichten zur MOL und dem Gasmarkt in CEE
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