(c) Pester Lloyd / 38 – 2012 NACHRICHTEN 19.09.2012
Die Weltbank hat eine erstaunliche Entedeckung gemacht: “Eine große Anzahl Arbeiter und Firmen in Osteuropa sind in der sogenannten Schattenwirtschaft" tätig. Die Weltbank macht in ihrem aktuellen Bericht dazu diverse Abstufungen: Besonders betroffen sind demnach Bulgarien, Rumänien und Litauen, wo der Anteil der Schwarzarbeit an der Gesamtwirtschaftsleistung bei fast 30 % liegen soll. Schattenwirtschaft 2011, sehr optimistische Zahlen
Ungarn stellt man in dem Report ins Mittelfeld. Dem Bericht zufolge arbeiten hier „3% der Arbeitnehmer ohne gültigen Arbeitsvertrag, 10% arbeiten selbstständig, ohne eine entsprechende Genehmigung und 0,5 % arbeiten unbezahlt im Familienbetrieb mit.“ Diese Zahlen, stimmten sie, würden Ungarn wahrscheinlich zu grenzenlosem Wohlstand verhelfen. Kurz: der Bericht geht vollständig an der Realität vorbei, betrachtet man nur den Anteil der Arbeitnehmer, die zwar gemeldet sind, aber lediglich auf Mindestlohn und „den Rest“ von ihrem Chef in die Hand gedrückt bekommen. Diese Kategorie gibt es gar nicht bei der Weltbank. Man sollte den Berichterstattern vielleicht einmal eine Reise nach Ungarn organisieren… Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass ein Betrag, der 40% des offiziellen BIP entspricht, nochmals in der Schattenwirtschaft erarbeitet wird.
Vor allem in Bulgarien, so der Bericht weiter, besteht kaum ein Anreiz, eine Arbeit formell zu melden, solange eine alleinstehende Person ohne Kinder dann durchschnittlich auf 50-70% ihres Einkommens wegen Steuern und Abgaben verzichten muss. Der Trend zur Schwarzarbeit ist allerdings so weit verbreitet, „dass er langfristig das Wachstumspotential der betroffenen Regionen zerstören kann,” warnt die Weltbank in ihrem neunmalschlauen Bericht, ohne auch nur den leisesten Anflug von Ursachenforschung oder der Frage, inwiefern die Weltbankpolitik selbst zu solchen Tendenzen beigetragen haben könnte. Stattdessen Phrasen: Die neuen Mitgliedstaaten in Osteuropa können eine so große Schattenwirtschaft nicht verkraften,” erläutert die Seniorberaterin der Weltbank, Katarina Mathernova. Die Weltbank werde deswegen auch weiterhin mit der Europäischen Union zusammenarbeiten, um die wirtschaftliche Leistung der neuen Mitgliedsländer zu verbessern. Wir sind gespannt.
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