(c) Pester Lloyd / 09 – 2009 POLITIK – 23.02.2009
WIRTSCHAFT 22 .02.2009
Wurschtelei der Schönwetterbanker
Österreich und Osteuropas Finanzen
Wenn auch die Forintabwertung überwiegend den negativen Finanz- und Haushaltsdaten Ungarns geschuldet ist, so wird die Schieflage des Finanzmarktes durch die Lethargie und Selbstgefälligkeit der österreichischen Bankenmanager in Bezug auf Schritte gegen die Krise doch bedeutend verschärft.
Die über Jahrzehnte antrainierte Aussitztaktik der Schönwetterbanker am Alpenrand, verwöhnt von zweistelligen Wachstumsraten im Osten, die zu einer gewissen imperialen Arroganz seliger Prägung führte, kann das Land und den Osten des Kontinents noch sehr teuer zu stehen kommen.
Bis heute sind die wirklichen Verluste und vor allem die tatsächlichen Risiken immer noch eine Art Staatsgeheimnis. Banker nehmen ungern Staatshilfe an und verweisen dabei auf die zu hohe Verzinsung von 9,3%, zudem weigern sich dem Staat adäquate Mitsprache zu gewähren. Die Märkte machen sich, wie man ansatzweise Anfang der Woche sah, ihren eigenen Reim auf diese Wiener Wurschtelei und haben auch die Macht, Österreichs Börsen und Ruf in die Knie zu zwingen, wenn es sich weiter weigert das international als Standard eingeführte Spiel einer gewissen selbstkritischen Transparenz mitzuspielen. Für Erste Bank-Chef Andreas Treichl ist “keine Panik ohne Ende”. Seine Frau organisierte den Opernball. Treichl zog zur Beruhigung der Finanzwelt noch die Veröffentlichung der Bilanz vor, bevor er zum “Tanz auf dem Vulkan” entschwand”, Foto: ERSTE
Daß Österreich – durch seine Banken und andere Firmen – auch eine nicht unbedeutende Mitschuld am sorglosen Umgang mit Fremdwährungskrediten, spekulativen Immobiliengeschäften und einer überproportionalen Fremdfinanzierung von Unternehmen und Haushalten im Osten trägt, hat sich mittlerweile herumgesprochen. In Österreich glauben aber sogar politisch Verantwortliche immer noch, man hätte einen Anspruch auf einen Bonus, wenn man so tut als habe man den Osten praktisch im Alleingang aufgebaut. Bisher hat niemand im politisch verfilzten Wien den Mut oder die Kompetenz aufgebracht, aus den immer sichtbarer werdenden Fakten, personelle oder sachliche Konsequenzen zu ziehen, die Wirkung entfalten könnten. Die Reise von Finanzminister Pröll war ein formidabler Rohrkrepierer. Daher braucht man sich nun auch nicht wundern, dass Gerüchte überbewertet werden.
Bisher zeigte man immer nur mit dem Finger auf andere: den Osten, der sich gefälligst um die Stabilität seiner Volkswirtschaften zu kümmern hat oder den Westen, der Österreichs Risiken mit abdecken soll. Einen wirklich eigenen Krisenplan hat es in Österreich bisher nicht gegeben, weil niemand glaubte, dass es wirklich eine Krise gibt. Es braucht dringend jemanden, der reinen Tisch macht und die Fakten auf den Tisch legt. Dann kann gehandelt, bereinigt, verstaatlicht werden, was immer nötig ist. Das ist das einzige, was die Märkte beruhigen kann und sie funktionieren lässt.
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