(c) Pester Lloyd / 41 – 2010 NACHRICHTEN 18.10.2010
Aktuelles zur Giftschlamm – Katastrophe in Ungarn, 18.10.:
Exodus aus Kolontár
Wie der Regierungsbeauftragte György Bakondi mitteilt, sind bis zum Wochenende 374 der 690 aus Kolontár Evakuierten zurückgekehrt, vorerst 191 Personen wollen nicht mehr im Katastrophendorf leben, derzeit stehen 94 Häuser leer, neun weitere wurden im Zuge der Schutzdammarbeiten bereits abgerissen. In einer Datenbank werden 47 Häuser in Kolontár, 292 in Devecser und 21 in Somlóvásárhely als „direkt von der Rotschlammschlut beschädigt“ eingestuft. Notstand verlängert
Der am 6. Oktober verhängte Notstand über die Unglücksregion wird bis Jahresende verlängert. Das beschloss die Regierung und legt dem Parlament eine entsprechende Beschlussvorlage zur Abstimmung vor. Gleichzeitig wird ein gänzlich neues Katastrophen-Management-Gesetz vorbereitet. Derweil patrouilliert weiter die Polizei in den betroffenen Orten, um Einbrüche zu vermeiden, wurden Bewegungsmelder und Kameras installiert. Ab 23 Uhr herrscht eine Art Besuchssperre, diese gilt auch und erst recht für Journalisten und zahlreiche Wissenschaftler und Aktivisten einheimischer wie westlicher Umweltschutzgruppen, die in der Gegend zu Forschungszwecken unterwegs sind. Offiziell wird ja immernoch behauptet, dass die Feinstaub- und Giftkonzentrationen in der Luft unter den zulässigen Grenzwerten liegen, was u.a. von Greenpeace bezweifelt wird, weshalb deren Mitarbeiter eigene Messungen vornehmen.
Experten aus aller Welt
Derzeit nimmt der wissenschaftliche Beirat beim Nationalen Katastrophenamt eine Auswahl aus den „fast einhundert Angeboten aus allen Teilen der Welt“, die Ungarn bei der endlichen Beseitigung und Regeneration des Gebietes unterstützen wollen. Experten des österreichischen Bundesheeres sind vor Ort, um den Zustand der brüchigen Mauer um den noch vollen Teil des Rotschlammreservoirs einzuschätzen. Wie berichtet, wird relativ fest mit einem zweiten Deichbruch gerechnet, durch Dehydrierung des Schlammes versucht man seine Ausflussfreude zu bremsen.
Produktion läuft Dienstag wieder voll an
Die von WHO und EU entsandten Experten haben den ersten Teil ihrer Inspektionen abgeschlossen, der Bericht werde in Kürze veröffentlicht, es wurde aber schon einmal festgestellt, dass „die ungarischen Behörden die Situation korrekt bewältigt“ hätten, hieß es vorauseilend vom Regierungskommissar György Bakondi, der, an der Spitze einer Komission auch den Wiederbetrieb des Unglückswerkes MAL überwacht.
Dort läuft die Produktion wieder an, durch den neuntägigen Zwangstillstand kam es zu einigen Defekten und Abkühlungen in den Anlagen, die erst behoben werden mussten. Ab 28. Oktober wird wieder neuer Rotschlamm in die MAL-Becken laufen. Bakondi sagt, dass es sich dabei um Becken X/A handelt, das vollständig untersucht und noch unbenutzt ist. Allerdings kann dieses kleine Becken nur bis zu einer Höhe von 2,50 m befüllt werden, was bereits nach rund zwei Wochen der Fall sein dürfte. Dann müsste man weitere Becken untersuchen, so Bakondi.
Die finanziellen Umstände der MAL bezeichnete der Kommissar als stabil, das Werk könne allen regulären Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Man arbeite zudem mit den vier Hausbanken des Unternehmens zusammen und entflechte gerade das Firmengestrüpp, um die Vermögenssituation zur Deckung der Schäden offenzulegen. Außerdem wies er die Vorstände an, Kapazitäten für den Dammbau und die Wiederherstellungsarbeiten in der Umgebung frei zu machen.
Einer der MAL-Eigentümer sprach davon, dass sein Unternehmen insgesamt 1,5 Mrd. Forint an Schadensersatzzahlungen anbietet, verteilt über 5 Jahre. Das bedeutet eine jährliche Zahlung von umgerechnet rund 1,2 Mio EUR. Diese Angabe machte Lajos Tolnay, Miteigner des Werkes in gegenüber einer Lokalzeitung. Die direkten Kosten für die Katastrophe werden von der Regierung jedoch mit mindestens 30 Mrd. Forint angegeben, die in Gänze vom Verursacher gezahlt werden sollen, so dass nicht ganz klar ist, auf welcher Basis Tolnay eine solche Ansage machen konnte, noch dazu, da er momentan gar nicht Herr über sein Eigentum ist.
ALLES WEITERE ZUR KATASTROPHE IN UNSERER CHRONOLOGIE
Ich bedauere, aber…. MAL-Chef spricht von Terroranschlag als Ursache…
Hintergrund: Mechanismus kein Automatismus, Wie funktionieren die EU-Hilfen?
Kommentar: Schlammschlachten – Ungarn und seine wahren Katastrophen
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