(c) Pester Lloyd / 50 – 2010 POLITIK 16.12.2010
Ex-Funktionär: Jobbik hat so keine Zukunft
Lajos Pösze, bis Ende Juli stellvertretender Fraktionschef der rechtsextremen Partei Jobbik im ungarischen Parlament, sieht für die Partei in ihrem jetzigen Zustand „keine Zukunft“. Pösze war von Parteichef Gábor Vona im Sommer abgelöst und aus der Fraktion entfernt worden , nachdem er Kritik an der „Ungarischen Garde“ bzw. der Nachfolgebewegung geübt hatte. In einer Fernsehsendung vom Montag sagte er, dass die Partei unter ihrem jetzigen Vorsitz „in die falsche Richtung“ gehe. Es fehle ihr an Professionalität, sie baut auf Rassismus auf und preist aus antisemtischen Beweggründen einerseits den Islam, stellt aber andererseits christliche Kreuze in der Öffentlichkeit auf. Was die Garde angehe, meinte der nun als unabhängig geführte Abgeordnete, dass diese dann einen Sinn hat, wenn sie auf lokale Bedürfnisse eingehe und unter entsprechender Kontrolle stehe. Hielte sich jede Partei eine solche „Garde“, müsste es jedoch zwangsläufig zu einem Bürgerkrieg kommen. Jobbik bezeichnete die Äußerungen ihres Ex-Funktionärs als die verbitterte Äußerung eines Verräters, von rechten Portalen wurde er bereits zum Abschuss freigegeben. Parteichef Vona hatte die später verbotene „Magyar Garda“ einst selbst gegründet. Schon seit einiger Zeit sprechen Insider von Spaltungs- und Zerfallserscheinungen unter den „Gardisten“. Auch die Position der Jobbik insgesamt wird als immer kritischer beschrieben, weil das regierende Fidesz die meisten Politik- und Argumentationsfelder der Rechtsextremen selbst abdeckt und diese somit immer weiter an den rechten Rand gedrängt hat. Die Umfragewerte von Jobbik haben gegenüber dem Wahlergebnis vom April um ca. 30% nachgelassen.
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