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Aktuelle Wirtschaftsnachrichten aus Ungarn

(c) Pester Lloyd / 13 – 2012 WIRTSCHAFT 28.03.2012

Wirtschaftsnachrichten aus Ungarn Leitzins bleibt wieder unverändert – Nachfolgemodell für Forex-Ablöse – Komplizierte Lohnkompensation ist nun Gesetz – Einzelhandelsumsatz steigt um 0,6% – Benzin auf neuem Rekordhoch – MOL in Rumänien wegen Kartellbildung verurteilt – Niemand will mit Ungarn swappen – Warnung vor Finanzdienstleistern

Gespaltene Nationalbank behält Leitzins bei

Der Währungsrat der Ungarischen Nationalbank, MNB, hat bei seiner Sitzung am Dienstag den dritten Monat in Folge den Leitzins des Forint unverändert bei 7% gelassen. Davor erhöhte man ihn um einen Prozentpunkt. MNB Chef Simor sprach davon, dass man sowohl Argumente für eine Absenkung (Ankurbelung des Kreditgeschäftes) wie für eine Steigerung (Inflationsbremse, Währungsstärkung) gefunden und diskutiert habe. Er selbst wäre eher für eine Anhebung zu haben gewesen. Im Währungsrat blockieren sich seit der Neubesetzung freigewordener Sitze Finanzmarktexperten und Volkswirtschaftler auf der einen sowie regierungsparteitreue „Ökonomen“ auf der anderen Seite. Das Ringen um die Unabhängigkeit der Zentralbank von der Regierung, ist Teil der EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn.

Gesetz zur Lohnkompensation verabschiedet

Mit einigen Änderungen wurde am Montag das bereits für viel Verwirrung sorgende Gesetz zur Lohnkompensation von Geringverdienern verabschiedet. Neu ist, dass die Durchschnittslöhne nun bis zu einer Höhe von 300.000 HUF (1.022 EUR), nicht wie geplant unter 216.000 (736 EUR), um 5 Prozent durch die Unternehmen erhöht werden sollen, um die durch die Flat tax verursachten Einbußen zu kompensieren. Nur Unternehmen, die diese Erhöhung nachweisen, können dann weitere Kompensationen zum Teil vom Staat finanziert bekommen. Dafür werden in einem nationalen Beschäftigungsfond 21 Mrd. HUF (71,6 Mio. EUR) zur Verfügung gestellt. Die weiteren Bedingungen, unter denen die Unternehmen die finanzielle Beihilfen in Anspruch nehmen können, bleiben hingegen bestehen. Dabei sollen die Beschäftigungszahlen im Vergleich zum Vorjahr konstant gehalten oder sogar gesteigert werden und der Anteil an Teilzeitangestellten darf nicht ein Fünftel der Vollzeitangestellten übersteigen. Nachfolger des Forex-Kreditablösemodells soll Schuldnern helfen

Der ungarische Bankenverband rechnet damit, dass insgesamt etwa drei Viertel aller Berechtigten das Forex-Umtauschmodell als Nachfolger der Forex-Ablöse in Anspruch nehmen werden, wodurch etwa zwei Drittel aller in Devisen ausgereichten Hypothekenkredite betroffen sein werden. Die anfallenden Kosten sollen je zur Hälfte von den Banken und dem Staat getragen werden, was die Einnahmen des Haushaltes aus der Bankensteuer stark reduziert. Die Forex-Ablöse nutzen nur etwa 20 Prozent , der Berechtigten, also die Kreditablöse zum bevorzugten Kurs auf einen Schlag. Das Nachfolgemodell sieht den Umtausch der Forex-Kredite in Forint vor, wobei es einen Abschlag von bis zu 30% für den Kreditnehmer gibt, wenn es sich um einen Hypothekenkredit unter 20 Mio. HUF für eine selbstgenutzte Immobilie handelt.

Einzelhandelsumsatz steigt um 0,6%

Von Januar 2011 bis Januar 2012 stieg der Einzelhandelsumsatz in Ungarn um 0,6%, im Vergleich zum Vorjahresmonat war er im Januar sogar um 1,6% höher. Zum ersten Mal seit 2006 wuchs somit der Einzelhandelsumsatz wieder im Vergleich zum Vorjahr. Die Auto- und Autoteilverkäufe im Januar 2012 konnten um 10,6% im Vergleich zum Dezember 2011 zulegen. Das Statistikamt führte dies vor allem auf die positiven Effekte der gesenkten Auto-Registrierungs-Steuer zurück. Außerdem stieg der Umsatz durch den Verkauf von Nahrungsmitteln, Getränken und Tabakwaren um 1,1% im Januar im Vergleich zu 2011, was aber mit Preissteigerungen über der durchschnittlichen Teuerung sowie weiteren Verbrauchssteuern zu tun hat.

Devisen-Swaps in Ungarn finden keine Interessenten

Die ungarische Nationalbank hat bei dem wöchentlichen Verkauf von Devisen-Swaps (Währungstermingeschäfte) keine Käufer gefunden. Seit Januar gab es – abgesehen von zwei Ausnahmen – nie Interessenten um Swap-Geschäfte mit Ungarn zu tätigen. Im Dezember war das allgemeine Interesse noch hoch, mittlerweile möchte Ungarn offenbar niemand mehr Devisen geben. Mehr zu den ungarischen Staatsschulden und dem Versuch der Refinanzierung auf dem internationalen Markt .

MOL-Rumänien wegen Kartellbildung zu Millionenstrafe verurteilt

Das Bukarester Berufungsgericht hat einen Revisionsantrag der Rumänientochter des ungarischen Energieunternehmens MOL zusammen mit den rumänischen Unternehmen Rompetrol, Downstream und ENI Romania gegen eine Kartellstrafe abgelehnt. Gegen MOL Rumänien wurde eine Strafe von 80,3 Mio. Lei (18,5 Mio. EUR) verhängt. Die MOL ist zu 22,1% in ungarischem Staatsbesitz.

Benzin- und Dieselpreise an Ungarns Tankstellen seit Oktober 2009, rote Punkte: Diesel, gelbe Benzin, Grafik: MTI, Daten: KSH Benzin wieder teurer als Diesel, neues Allzeithoch

Der ungarische Energiekonzern MOL wird zu Mittwoch die Preise für Benzin um 4 HUF erhöhen und gleichzeitig die für Diesel um 2 HUF senken. Die Benzinpreise werden ein neues Allzeit-Hoch erreichen und zum ersten Mal seit Oktober 2011 mehr kosten als Diesel. Benzin wird auf dem Markt 426,7 HUF per Liter und Diesel 426,6 HUF (je 1,45 EUR). Der Endverbraucher müsse mit 444-445 HUF pro Liter Benzin und 442-443 HUF (je ca. 1,50 €) pro Liter Diesel rechnen.

Finanzaufsicht mahnt zwei Finanzdiensleister ab

Die ungarische Finanzmarkt-Regulierungsbehörde PSzÁF hat die Finanzdienstleister Zee Capital (früher Zürich Capital) zu HUF 4 HUF Mio. (13.600 EUR) und New Chance Credit zu 1 Mio. HUF (3.400 EUR) Strafe verurteilt. Die Unternehmen müssen nun die Lizenzierungs- und Regulierungskonditionen bezüglich der Datenverarbeitung und – weitergabe nachbessern und dem zentralen Kreditinformationssystem beitreten.

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