Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Am Sonntag Streik am Flughafen Budapest

(c) Pester Lloyd / 50 – 2009 WIRTSCHAFT 12.12.2009

Unruhe beim Bodenpersonal

Am Sonntag Streik am Flughafen Budapest

Am Sonntag wird es am Flughafen Budapest Ferihegy zu Einschränkungen durch einen Warnstreik kommen. Eine Gewerkschaft kündigte an, dass am 13.12. zwischen 15.30 Uhr und 20.30 Arbeitskampfmaßnahmen durch das Bodenpersonal der Malév Ground Handling und Angestellter des Airport durchgeführt werden. Der Grund ist die Verweigerung von weiteren Gesprächen über Lohnerhöhungen und einen Kollektivvertrag. Das Management bezeichnet die Aktion als verantwortungslos.

Der Unternehmenssprecher Mihály Hardy reagierte ungewöhnlich harsch auf diese Ankündigung. Es sei unverantwortlich was die Gewerkschaft angesichts der europaweiten Krise plane. Malév und Flughafen werden alles versuchen, damit die Unannehmlichkeiten für die Fluggäste so gering wie möglich gehalten werden. Flüge sollen nicht abgesagt werden, es könne aber zu Verspätungen durch langsamere Abwicklung kommen. Die Forderungen der Gewerkschaft betreffen vor allem eine nicht eingehaltene Zusage des Managements zur Lohnentwicklung und einem Kollektivvertrag nach Abschluss einer Sanierungsrunde. Das Management hielt dem entgegen, dass man weitergehende Entlassungen vermeiden konnte, im März des Jahres einer 3%igen Lohnerhöhung zustimmte (mit Prämien seien es gar 4,5%) und auch eine besondere Sozialleistung aufrecht erhalten habe, wonach jeder Mitarbeiter monatlich Kantinenleistungen für umgerechnet rund 170 EUR erhalte. Die Gewerkschaft fordert hingegen 10% mehr Lohn für 2009 und einen ähnlichen Abschluss für 2010. Der Kantinenzuschuss sei Augenauswischerei und die Lohnerhöhung liege unter der Inflationsrate. Sie prangert außerdem an, dass immer mehr Leistungen ausgegliedert und durch fremde Firmen und sogar durch ausländische Beschäftigte wahrgenommen werden. Arbeitnehmerrechte würden systematisch unterlaufen.

Bereits genau vor einem Jahr kam es zu Streiks aus den gleichen Gründen, die Zustände bei Malév und Airport sind nach wie vor kompliziert, die Gewerkschaft spricht von irregulären Kündigungen, Stellenabbau in sicherheitsrelevanten Bereichen sowie einer steigenden Zahl an Überstunden. Während der letzten Verhandlungen über Löhne und Arbeitsbedingungen habe das Management lediglich versucht auf Zeit zu spielen. Die Malév ist strategisch in einer komplizierten und schwebenden Position. Siehe dazu unseren Beitrag: Fliegen am seidenen Faden – Die Eigentümer machen der Malév mehr zu schaffen als die Wirtschaftskrise

Flughafen Budapest und Gewerkschaft im Dauerstreit

Mit der Überschrift „Wann nimmt das ein Ende?“ beklagte sich heute auch das Management des Airport Budapest bitterlich über eine – aus ihrer Sicht – Kampagne der Gewerkschaft LESZ, welche die Praxis des Outsourcings von Bodenpersonal an ausländische Arbeitskräfte vor Gericht bekämpft. Die Gewerkschaft, die vor allem das Sicherheitspersonal am Flughafen Ferihegy vertritt, ist der Auffassung, dass man mit der Einstellung Betriebsfremder die Rechte der Arbeitnehmer beschneiden und die Angestellten erpressbar machen will.

Der jüngste Fall betrifft die Passagierkontrolle, die seit Ende November von herbeigeholten „Kollegen“ aus Deutschland abgewickelt wird. Eine entsprechende Beschwerde an die Flughafenpolizei wurde abgewiesen. Diese erklärte, dass die Papiere der „Gastarbeiter“ ordentlich eingereicht sind und der Antrag auf der Grundlage eines Beschlusses des Innenministeriums aus 2003 zu genehmigen war. Die Passagierkontrolle ist seit EU-Beitritt zudem keine Polizeiangelegenheit mehr.

Der Streit um “Fremdarbeiter” als Streikbrecher und Lohndrücker geht schon seit Jahren und kam mit den ersten grpßen Sanierungsporgrammen des Managements auf. Der Flughafenbetreiber in Budapest ist ein Tochterunternehmen des deutschen Konzerns Hochtief. Der Airport kam vor wenigen Tagen in die Schlagzeilen, als der Direktor der Rechtsabteilung spektakulär, unter dem Verdacht auf Betrug, Unterschlagung und Bestechung, verhaftet worden war. Unser Beitrag: Betrug, Bestechung, Unterschlagung: Polizei Budapest zur Verhaftung der Rechtsdirektoren von BKV und Airport und: BKV-Airport-Skandal in Ungarn weitet sich aus

Titelseite der aktuellen Pester-Lloyd-Wochenzeitung

Neu · Jeden Freitag als PDF

Der Pester Lloyd als Wochenzeitung – wie früher am Kiosk, nur digital

Ausgabe 10.–16. August 2026, 15 Seiten im großen Zeitungsformat. Darin unter anderem:

• Sziget, Tag drei – Florence, Staub und ein Ermittlungsverfahren• András Baka vereidigt – ein Präsident für den demokratischen Wiederaufbau

Zeitung ansehen – 2,50 €

In eigener Sache – Ihr Kauf unterstützt unabhängigen Journalismus ohne Paywall.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
© Alle Inhalte Copyright 2026 Pester Lloyd
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x