(c) Pester Lloyd / 12 – 2009 WIRTSCHAFT 15.03.2009
Ungarischer Sonderweg hilft nicht aus der Krise
DUIHK warnt vor Protektionismus in Ungarn
Die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer (DUIHK) beobachtet mit Sorge, dass in Ungarn verstärkt Meinungen und Vorschläge geäußert werden, die auf eine Abschottung der ungarischen Wirtschaft von der Weltwirtschaft abzielen. Dies stellte der Vorstand der DUIHK auf seiner Sitzung am 12. März fest.
Forderungen nach einem Mindestanteil ungarischer Produkte am Angebot von Händlern oder nach einer Beschränkung ausländischen Eigentums in bestimmten Branchen widersprechen nicht nur den Grundsätzen der Europäischen Union, sondern sind für eine so offene Volkswirtschaft wie die ungarische äußerst gefährlich, so der Vorstand der größten bilateralen Wirtschaftsvereinigung in Ungarn. Protektionistische Maßnahmen sind nach Ansicht der DUIHK keine geeignete Antwort auf die aktuelle Wirtschaftskrise – weder in Ungarn noch in anderen Ländern. Im Gegenteil: langfristig schaden sie dem Ruf Ungarns als verlässlicher Wirtschaftspartner und den Exportchancen für ungarische Unternehmen.
Ungarns Wirtschaft ist überdurchschnittlich eng mit der internationalen Wirtschaft verwoben. Aufgrund ihrer Größe agieren ungarische Firmen jedoch meist als Zulieferer internationaler Unternehmen auf dem Weltmarkt. Gerade deshalb kann sich Ungarn eine Abschottungspolitik nicht leisten – dies würde viele Betriebe in den Konkurs treiben.
Ausländische Unternehmen haben bisher etwa 70 Mrd. Euro in Ungarn investiert, mehr als drei Viertel davon kommen aus Ländern der Europäischen Union. Damit tragen sie maßgeblich zum Aufbau einer modernen Wirtschaft und zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei. Eine sehr große Zahl dieser Unternehmen tut dies aus eigener Kraft, ohne Hilfen des ungarischen Staates.
Selbstverständlich sind auch ausländische Unternehmen in Ungarn den Folgen der Wirtschaftskrise massiv ausgesetzt. Deutsche Firmen in Ungarn haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten jedoch besonders bemüht, ihre Mitarbeiter, ihr Wissen und ihr Können auch in Zeiten der Wirtschaftskrise zu halten. Zu Entlassungen greifen sie nur, wenn dies zur Sicherung der Existenz des Unternehmens unvermeidlich ist. Dies wird auch in Zukunft so sein, so der Vorstand der Kammer.
Der Präsident der DUIHK, Tamás Vahl, betonte nach der der Sitzung, dass Ungarns Unternehmen nach wie vor über ein hohes technologisches Niveau und qualifizierte und motivierte Mitarbeiter verfügen, die Infrastruktur des Landes gut ausgebaut sei, und seine geografische Lage ein großes wirtschaftliches Potential berge.
Damit diese guten Voraussetzungen auch langfristig in Wettbewerbsvorteile umgesetzt werden können, müssen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören ein Steuer- und Abgabensystem, das Investitionen, Innovation und Beschäftigung fördert, ein Bildungssystem, das die ungarischen Arbeitnehmer dauerhaft in die Lage versetzt, international wettbewerbsfähige Waren und Leistungen zu produzieren, und ein Verwaltungssystem, das auf allen Ebenen frei von Korruption und nach transparenten Regeln effizient die Anstrengungen der Unternehmen unterstützt.
„Reformvorschläge verschiedenster Institutionen liegen dazu auf dem Tisch, jetzt kommt es darauf an, diese mit politischer Entschlossenheit und Kompetenz umzusetzen“, sagte der Präsident der Kammer. „Dies würde zugleich auch das Vertrauen der Finanzmärkte und der ausländischen Investoren in die Chancen Ungarns wiederherstellen und damit zu einer schnelleren Überwindung der Folgen der weltweiten Krise beitragen. Ein ungarischer Sonderweg ist dazu nicht geeignet“.
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