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Gefangen im „Hotel Mama“: Jugendliche in Ungarn bleiben bis Mitte 30 im elterlichen Haus

(c) Pester Lloyd / 02 – 2015 NACHRICHTEN 09.01.2015

Es ist zwar nur eine kleine, dafür aber doch interessante Facette des systematisch betriebenen sozialen Niedergangs im Ungarn der letzten Jahre: Die Zahl der jungen Einwohner, die, trotz des Erreichens des Erwachsenenalters, immer noch bei ihren Eltern leben, steigt wieder deutlich an. Eine Studie des Instituts Tárki gibt an, dass 66% der Menschen in Ungarn zwischen 18 und 34 Jahren noch – oder wieder – bei ihren Eltern leben. Die Daten stammen von 2012, 2008 lag die Rate bei 56%. Als Grund gaben fast alle Befragten an, dass sie sich eine eigene Wohnung schlicht nicht leisten könnten, aber eigentlich gerne lieber einen eigenen Haushalt hätten. Die Eltern wurden dazu jedoch nicht befragt. Die Jugendarbeitslosigkeit legte in Ungarn von 2008 16 auf 2012 (offizielle) 22% zu.

Ähnlich wie in Spanien oder Italien ist auch in Ungarn das Phänomen zu beobachten, dass junge Leute zwar zum Studieren von zu Hause wegziehen, in Studentenheime oder WG´s, nach dem Studium aber keine adäquat bezahlten Jobs finden, um ein selbständiges Leben fortsetzen zu können. Nur ein Viertel der Absolventen kann direkt von der Uni in das eigene Leben starten, ohne nochmals materiell von den Erzeugern abhängig zu sein.

Relativierend muss man hinzufügen, dass die Jugend in osteuropäischen Ländern generell länger im „Hotel Mama“ verharrt (Im Westen Europas werden 60-80 der Jugendlichen bereits flügge, wenn sie das 18. Lebensjahr vollendet haben), was vordergründig materielle, aber auch traditionelle Ursachen hat, Ungarn führte aber selbst im Osten diese Statistik immer an, nur unter vorgehaltener Hand geben ungarische Eltern zu, dass sie ihre Kinder gerne auch über das Vernunftsmaß hinaus „pampern“. Der alte jüdische Witz ließe sich hier adaptieren: Was ist der Unterschied zwischen einer ungarischen (oder Wunschnation hier eintragen) Mutter und einem deutschen Schäferhund? – Der Schäferhund lässt irgendwann wieder los… red.

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