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Verbannung in die Provinz: Ministerium für Landwirtschaft begann Umzug nach Kecskemét

(c) Pester Lloyd / 02 – 2015 NACHRICHTEN 09.01.2015

Anfang Januar begann mit dem Umzug eines Staatssekretariats des Ministeriums für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung von Budapest nach Kecskemét eine großangelegte geographische Umverteilung ungarischer Regierungsbehörden. Neben weiteren Umsiedlungen von Ministerien u.a. nach Debrecen und Székesfehérvár bildet dabei der für 2016 anvisierte Umzug des immer größer werdenden Amtes des Ministerpräsidenten, der “Führung ohne Raum”, auf den Budaer Burgberg, wozu mehr als eine halbe Milliarde Euro für Restaurierungs-, Umbau-, Neubau und Einrichtungsarbeiten aufgewendet werden, das historische Burgviertel zu Orbáns Kreml zu vandalisieren.

Wie aus internen Quellen zu hören ist, haben die Orbánschen Umsiedlungspläne, die neben dem Landwirtschafts- auch das Verteidigungs- und Entwicklungsministerium betreffen werden, einigen Unmut unter den Beamten ausgelöst und sogar für Abgänge gesorgt. Viele wollen nicht in die – bei Budapestern geradezu innig ungeliebte – Provinz und fürchten außerdem einen kommunikativen und bürokratischen Mehrwaufwand durch Reisetätigkeit von und nach Budapest, zumal rund die Hälfte der nach Kecskemét verbannten Ministeriellen nun täglich pendeln müssen, was ihnen zudem noch finanziell abgegolten wird. Seit 5. Januar sind in der rund 100 Kilometer südlich von Budapest gelegenen Stadt 64 Mitarbeiter tätig, bald sollen es mindestens 110 sein. Das Ministerium teilte mit, dass die Tätigkeit des Ministeriums, vor allem das Abgreifen von EU-Mitteln, „zu keinem Zeitpunkt verlangsamt“ sei.

Orbán stellte die Umsiedlungsaktion als „Entwicklungsprogramm“ für die Provinz dar, die meisten halten es jedoch für ein weiteres, äußeres Zeichen der Marginalisierung der ministeriellen Strukturen zu Gunsten der Allmacht des Amtes des Ministerpräsidenten, das praktisch alle Portfolios durch eigene Staatssekretäre, Regierungskommissare oder offizielle und inofizielle Berater spiegelt und die Minister selbst durch „Kanzler“ Lázár beaufsichtigt werden. red.

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