Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

„Goetheorie“: 200 Jahre Goethes Farbenlehre und was Grafiker daraus machen

(c) Pester Lloyd / 46 – 2010 KULTUR 15.11.2010

„Goetheorie“: 200 Jahre Goethes Farbenlehre und was Grafiker daraus machen
„Goetheorie“: 200 Jahre Goethes Farbenlehre und was Grafiker daraus machen

Das Goethe-Institut Budapest und die Ungarische Goethe-Gesellschaft feiern das 200. Erscheinungsjahr von Goethes Farbenlehre. Noch bis 28. November werden die besten Beiträge zum zugehörigen internationalen Wettbewerb des Vereins Ungarischer Grafiker und Typografen im Design-Terminal am Elisabethplatz ausgestellt. Zu sehen gibt es Goethes Konterfei in allen Farben, Formen und Assoziationen.

Die Erstausgabe von Goethes aus Einzelarbeiten bestehender Sammlung „Zur Farbenlehre“ erschien am 16. Mai 1810. Die Arbeit gilt in ihrer Relevanz als Äquivalent zum Faust in der Naturwissenschaft, Goethe selbst äußerte einmal, dass er dieses umfangreichste seiner Werke mehr schätze als seine poetischen Leistungen. Heute ist sie als ein Dokument über Goethes Persönlichkeit und seine Untersuchungsweisen, bei denen er stets die genaue Betrachtung gegenüber der Abstraktion vorzog, vor allem von kulturhistorischer Bedeutung. Internationalität auf Ungarisch

Die 50 besten Werke der „Goetheorie“ werden im Kontext des zum vierten Mal stattfindenden, kostenlosen GRAPHIFEST gezeigt, welches auch die Beiträge zur Preisverleihung der Golden Ehrennadel 2010 präsentiert, mit dem herausragende Künstler des Genres auszeichnet werden. Für die Teilnahme am Wettbewerb gab es keine Beschränkungen, einzige Bedingung war der Bezug zu Goethe und seiner Farbenlehre, unabhängig von Genre oder Stil. In der Ausstellung wird eine daraus zu erwartende Vielseitigkeit durch die Vereinheitlichung aller partizipierenden Werke als 70 mal 100 cm große Poster nicht sofort ersichtlich. So sind diese auf Anhieb schwer von den unter anderem aus Werbeplakaten bestehenden Arbeiten der Bewerber für die Goldene Ehrennadel zu unterscheiden, welche im gleichen Format umgesetzt wurden.

Der angestrebten Internationalität des Wettbewerbs werden die fast ausschließlich von ungarischen Künstlern stammenden Beiträge nicht wirklich gerecht. Auch das Informationsbüchlein, welches im Ausstellungsraum ausliegt, ist nur in ungarischer Sprache verfügbar. Nächstes Mal sollte sich der lokale MATT Verein überlegen, ob der Wettbewerb unbedingt unter dem Prädikat „international“ stehen muss und die entsprechenden Ausschreibungstätigkeiten im Ausland gegebenenfalls erweitern. Goethes Biografie als bunte Visualisierung

Widmet man sich dem Inhalt der einzelnen Exponate, ergeben sich ganz unterschiedliche Interpretationen von Goethes Farbenlehre und deren heutiger Bedeutung. Neben verschiedenen Hommages an den Dichter und seine Theorie, wie einem modernen Goethe-Graffiti oder aus seinen Textausschnitten zusammengesetzten geometrischen Formen, wurden vor allem einzelne Thesen der Farbenlehre aufgegriffen. Außerdem bildete Goethes Widerlegungsversuch der Newtonschen Optik, die von unterschiedlichen Spektren gebrochener Lichtstrahlen entsprechend der Wellenlänge ausgeht, einen Themenschwerpunkt. So spielte zum Beispiel das gänzlich weiße Poster von Anna Kasnyik mit der auf die Farben bezogenen Aufschrift „All of them are there“ auf Goethes Aussage an, dass das Licht homogen sei und dessen Farben damit nur das Ergebnis unterschiedlicher Mischungen von Hell und Dunkel sein könnten. Andere stellten den Disput zwischen den beiden Wissenschaftlern durch deren visuelle Gegenüberstellung dar, wie im Beitrag „Goethe vs. Newton“.

Goethes Pionierarbeit zur Farbenpsychologie, in der er den Einfluss von Farben auf die Stimmung untersuchte und zwischen sympathischen und unsympathischen Farben unterschied, wurde ebenfalls aufgegriffen. Das Plakat „Commedia dell´Colori“ versah die dargestellten Farben mit Adjektiven wie unnötig, gemein oder edel. So ist ein buntes Portfolio Goethes vielseitiger Facetten –nicht nur in Bezug auf seine Farbenlehre- entstanden. Dabei werden einzelne Stationen seines Lebens festgehalten, gespickt mit Zitaten, Textauszügen und Goethes Konterfei in Rot, Gelb, Blau. Luisa Stock

Bis 28. November, täglich 10 bis 18 Uhr

Design Terminál Erzsébet tér, V. Bezirk Weitere Informationen: www.goethe.de/ins/hu/bud/deindex.htm

Titelseite der aktuellen Pester-Lloyd-Wochenzeitung

Neu · Jeden Freitag als PDF

Der Pester Lloyd als Wochenzeitung – wie früher am Kiosk, nur digital

Ausgabe 10.–16. August 2026, 15 Seiten im großen Zeitungsformat. Darin unter anderem:

• Sziget, Tag drei – Florence, Staub und ein Ermittlungsverfahren• András Baka vereidigt – ein Präsident für den demokratischen Wiederaufbau

Zeitung ansehen – 2,50 €

In eigener Sache – Ihr Kauf unterstützt unabhängigen Journalismus ohne Paywall.

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
© Alle Inhalte Copyright 2026 Pester Lloyd
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x