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Hysterie wäre Brabdstiftung – Ungarn und die Krise

(c) Pester Lloyd / 13 – 2009 WIRTSCHAFT 24.03.2009

Über Strategien im Umgang mit der Wirtschaftskrise in Ungarn und der Welt

Rezession, Konjunkturpakete, Staatsbankrott, Senkungen des Leitzinses, Kurzarbeit und Panikverkäufe – Wörter, mit denen wir tagtäglich bombardiert werden. Darüber, wie schlimm die Wirtschaftskrise wirklich ist, scheiden sich die Geister. Positive Szenarien sehen für den Herbst einen leichten Aufwärtstrend, wobei Pessimisten mit einer positiven Entwicklung frühestens im Jahr 2010 rechnen.

Eindeutiger der Fall Ungarn: So konnte das Land mit einer Staatsverschuldung von 73,8 Prozent BIP nur mit Hilfe eines 25 Milliarden Dollar IWF-Kredits vor dem Zusammenbruch gerettet werden. In einer von Kurzarbeit und Personalabbau regierten Zeit überraschte Yusaf H. Akbar, Management-Professor an der Business School der Central European University, mit der Aussage, dass er Entlassungen auch in der Automobilbranche für kontraproduktiv halte. Auf die Frage, inwiefern die erste ökonomische Krise seit dem Ende der Sowjetunion ein Umdenken der mittel- und osteuropäischen Wirtschaftsbosse erforderlich mache, schrieb der Spezialist von der CEU Wirtschaftsfakultät diesen ins Stammbuch: „Ihr könnt eure Unternehmen nicht mehr so führen, wie ihr es in den letzten 15 Jahren aufgrund des kontinuierlichen Wirtschaftswachstum in Osteuropa getan habt.“

Hysterie wäre Brandstiftung

Erwartungsgemäß erläuterte der Experte zunächst, weshalb sich die Finanzkrise zur veritablen Wirtschaftskrise habe auswachsen können. So habe sich die von der ‚Subprime-Krise‘ verursachte mangelnde Liquidität negativ auf das Investitionsklima ausgewirkt. Verantwortlich dafür seien so genannte Subprime-Kredite, worunter eine Kreditvergabe an Verbraucher mit niedriger Bonität verstanden wird. Dazu zählen beispielsweise zahlreiche Hypothekengeschäfte mit einkommensschwachen Familien in den USA. Rentabel war dies für Banken und deren Provisionsgeschäft sowie für Immobilienfinanzierer aufgrund der hohen Zinsen.

Nachdem die Zentralbank der Vereinigten Staaten (FED) im Jahr 2004 den Leitzins angehoben hatte, stiegen auch die Kreditzinsen für die amerikanischen Häuslebauer. So kam es zu ersten Ausfällen bei den Subprime-Krediten. Hierbei erwähnte Akbar explizit die Insolvenz von Lehman Brothers und der Investmentbank Bear Stearns. Durch Verschlechterung der Konjunktur, erkennbar nicht zuletzt an den miesen Arbeitslosen- und Einkommensstatistiken, sowie aufgrund weiterer Leitzinserhöhungen seien unerwartet viele der ohnehin unsicheren Kredite ausgefallen: Eigentümer verloren massenweise ihre Häuser.

Zudem bildeten Preisverfall und Zwangsversteigerungen die umgehende Folge des Überangebots an Immobilien. Der entstandene Wertverlust für die einst sicheren Immobilien drängte die Banken pfeilschnell zu Massenabschreibungen für den Großteil ihrer gewährten Kredite. Gleichwohl nicht alle Banken am ‚Subprime-Geschäft‘ partizipierten, so waren vom Kreditausfall auch Banken außerhalb der USA betroffen. Dies drängte die Geldinstitute zu Abschreibungen, was sich rasch zu einer internationalen Krise entwickelte.

Die Ursache für den Produktionsrückgang besonders im Automobilsektor führt Akbar eindeutig im Nachfragerückgang aufgrund des Verlustes an Vermögen und Investitionsgeldern zurück. Arbeitslosigkeit und der Exportrückgang im Außenhandel waren weitere Effekte, wobei letzteres besonders Deutschland und China einen immensen Schaden zufügte.

Weiter hält es der Ökonom für wahrscheinlich, dass die meisten Länder mit Protektionismus reagieren. Dies führt dann unausweichlich zu einer Transformation der einstigen US-amerikanischen Wirtschaftskraft zu den asiatischen Tigerstaaten. Dies liege auch an der Natur der asiatischen Wirtschaftswelt, weil zentralisierte Ökonomien wie in China und Japan von vornherein ihre Märkte abgeschottet haben, wodurch die Folgen der Wirtschaftskrise dort wesentlich schwächer griffen.

Für Akbar scheint es sicher, dass China aufgrund der Krise zur führenden Wirtschaftsmacht aufsteigen wird.

Das „Krisen-Einmaleins“

Welche Strategien gibt es? Wie geht man mit der Verflechtung der Märkte und somit dem wirtschaftlichen Abwärtstrend um? Der Fall General Motors illustriert die Brisanz dieser Interdependenz, die rasch auch anderen Ländern große Schäden zufügen kann. Nicht zuletzt das Opel-Werk in Szentgotthard könnte zu einem Leidtragenden werden. Akbar befürwortet eine Senkung unnötiger Ausgaben, etwa im Bereich Reisekosten. Einsparungen bei Forschung und Entwicklung hingegen würden nur einen kurzfristigen positiven Effekt zeitigen, doch kaum das langfristige Überleben des Unternehmens sichern.

Vielmehr gelte es, sich auf die Qualität der Produktion sowie die Suche nach Innovationen – Stichwort ‚Grüne Technologien‘ – zu konzentrieren. „Unternehmenseffizienz ist ein Ausweg aus der Krise“, so Professor Akbar. Die Beschäftigung mit erneuerbaren Energien und Rohstoffen wie Sonnen- und Windenergie sei nicht nur aufgrund der globalen Erwärmung ratsam. Vor allem Europa könnte auf diesem sehr technologielastigen Feld punkten.

Akbar bemerkte abschließend: Panikmache sei kein Ausweg aus der Krise. Vielmehr sollte die starke Unsicherheit in der Wirtschaftswelt genutzt werden, um das eigene tägliche Verhalten kritisch zu hinterfragen und festgefahrene Unternehmenskonzepte zu überdenken, beziehungsweise zu revidieren.

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