(c) Pester Lloyd / 31 – 2009 WIRTSCHAFT 30.07.2009
Zeitbombe und Tunnelblick
KMU in Ungarn und Rumänien in kritscher Lage
Banken zunehmend in der Kritik
Bankmanager gehören von Berufswegen nicht zu jenen Zeitgenossen, die gerne Panik verbreiten. Wenn einer von ihnen von einer „tickenden Zeitbombe“ hinsichtlich der Lage von Unternehmen in Rumänien spricht und ein anderer für Ungarn „kein Licht am Ende des Tunnels“ sieht, muss es also wirklich schlimm stehen. Zahlen und Stimmung werden immer noch schlechter, wie die Ausfallquoten und eine Umfrage unter KMU zeigen. Der Unmut über die Banken wächst. Derweil stoßen sich Kredithaie an der Not der Menschen gesund.
Ungarns Bankenpräsident und Ungarns Ministerpräsident. Sieht nicht so aus,
als hätten die beiden große Probleme miteinander. Im Herbst kommt eine zweite Entlassungswelle
Aus Rumänien kommen Besorgnis erregende Zahlen und Nachrichten. Der Chef der OTP Romania, also der rumänischen Tochter von Ungarns größter Bank, OTP, László Diósi, sieht bei KMU in Rumänien ein extremes Liquiditätsproblem und damit ein noch weiter ansteigendes Ausfallrisiko für Kredite. Die Ausfallquote hat sich zwar seit Januar nicht gravierend verschlechtert, lag aber schon damals bei desaströsen 11% (für Kreditraten, die mehr als 60 Tage überfällig sind), im Vergleich zu 6,5% nur einen Monat zuvor. Diósi befürchtet jedoch im Herbst eine weitere Entlassungswelle, was bedeutet, dass zu den Zahlungsschwierigkeiten der KMU auch noch eine Verschlechterung der Lage der Privathaushalte hinzukommt. „Wir haben hier noch keine Notsituation, aber wir sitzen auf einer Zeitbombe“, sagte er in einem Interview. Die Lage ist also hoffnungslos, aber nicht ernst.
Die OTP Rumänien habe sich mit Risikorücklagen zwar gerüstet, doch verschiedene Faktoren verschlimmerten die Lage. Die Finanzschwierigkeiten der KMU würden von Seiten des rumänischen Staates noch verschärft, weil der sich mit anfallenden Mehrwertsteuerrückerstattungen mehr Zeit lässt als gut ist. Außerdem entsteht durch die allgemein verschlechterte Zahlungsmoral auch zwischen den Unternehmen ein gefährlicher Dominoeffekt. Die OTP sieht nun zu, ihr Geld einzutreiben und stellt, so Diósi, mehr Kreditmanager (Eintreiber) ein.
Chef des Bankenverbandes: Noch kein Licht am Ende des Tunnels
Wer das Risiko trägt, soll die Bedingungen stellen
Die Ängste der Banken um „ihr“ Geld und die passiven bis restriktiven Gegenmaßnahmen, die sie ergreifen, vergrößern das Problem in Mittelosteuropa derzeit noch. Die Banken sehen bei „den Kleinen“ eigentlich nur zu, dass sie – so gut es geht – ihr Geld eintreiben. Die Vergabe von Krediten, gerade zur Überbrückung einer Flaute, wird für die meist eigenkapitalschwachen KMU in Ungarn und erst recht Rumänien fast unterbunden. Die Banken verlangen höhere Sicherheiten und Zinsen als vor der Krise und begründen das mit ihrem höheren Risiko und den gestiegenen Beschaffungs-, also Refinanzierungskosten.
Eine glatte Lüge. Denn erstens könnten sie durch bessere Konditionen und längere Laufzeiten das Risiko selbst verringern und zweitens steht ihnen über die EBRD, den IWF und andere politisch gesteuerte Banken ausreichend preiswertes Geld zum weiterverleihen zur Verfügung. Worum es den Banken wirklich geht? Keine will aus der Deckung gehen und die Verluste aus Kreditausfällen möglichst gering halten, um an Börse und in Ratings gut zu „performen“. Dass die Banken den KMU damit weiter ein Grab schaufeln, ist ihnen gleich. Das Gegenteil sollen sie erst beweisen.
Das Endrisiko, das hat die Finanzkrise gezeigt, trägt im Zweifel doch der Staat, – also sollte auch der Staat gleich die Bedingungen, unter denen Kredite zu vergeben sind, selbst bestimmen dürfen. Oder nicht? Die Banken wurden vom Staat, weil sie „systemisch“ sind, vom Druck des kapitalistischen Überlebenskampfes weitgehend befreit. Für die KMU, die sonst immer als Job- und Innovationsmotoren gepriesen werden, gilt das nicht. Zeit, sich über „das System“ ernsthafte Gedanken zu machen. m.s.
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