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Köpferollen: Direktion der Ungarischen Staatsoper Budapest entlassen

(c) Pester Lloyd / 43 – 2010 KULTURPOLITIK 25.10.2010

Köpferollen: Direktion der Ungarischen Staatsoper Budapest entlassen

Die Leitung der Ungarischen Staatsoper Budapest wurde gefeuert

Der Generaldirektor und der Wirtschaftsdirektor der Ungarischen Staatsoper Budapest, Lajos Vass und Attila Szabó, wurden am Freitag auf Anweisung des Ministers für „Nationale Ressourcen“, Miklós Rétheyli, dem auch die Kultur untersteht, von ihren Posten entfernt. Die offizielle Begründung lautet „verschwenderischer Umgang mit Budgetmitteln“. Ein entsrepchender Kontrollrat hat ein Defizit von fast fünf Millionen EUR ausgemacht, wobei „ungerechtfertigte“ Ausgaben aufgetaucht seien, heißt es.

Bereits im Sommer wurde der Künstlerische Direktor, der Regisseur Balázs Kovalik aus der Oper „verabschiedet“, sein Vertrag aus „strukturellen Gründen“ nicht verlängert, kurz danach schmiss der international renommierte Dirigent Ádám Fischer wütend seinen Titel als „Generalmusikdirektor“ hin. Zumindest bei Kovalik ging es auch um eine Einflussnahme auf die inhaltlich-künstlerische Arbeit, also Zensur. Die progressiven und provokanten Arbeiten des Regisseurs kamen im neuerdings national-traditionalistisch eingestellten Kulturstaatssekretariat nicht sonderlich gut an. So wurde auch eine von Kovalik vorbereitete Inszenierung der National-Heldenoper „Bánk bán“ von Ferenc Erkel durch einen Italiener von der Opernleitung auf Druck aus dem Kulturstaatssekretariat abgesagt. Offiziell aus finanziellen Gründen, inoffiziell ging es nicht an, dass das zentrale Nationalepos des Komponisten der ungarischen Hymne in dessen Jubiläumsjahr von einem Ausländer „interpretiert“ wird. Lajos Vass im Dezember 2009, Foto: Pester Lloyd

Ádám Fischer ging wiederum wegen immer schlechter werdender Arbeitsbedingungen, die es ihm unmöglich machten, „seinen Titel als Generalmusikdirektor mit Leben zu erfüllen“. Anfang Oktober wurde interimistisch ein neuer Generalmusikdirektor ernannt, überraschenderweise handelt es sich dabei um jenen György Györiványi-Ráth, der bereits in der Zeit der ersten Fidesz-Regierung die künstlerische Leitung der Oper in Budapest inne hatte.

Während die strukturellen und finanziellen Defizite der Ungarischen Staatsoper seit der Wende ein nie beherrschtes Dauerthema der jeweiligen Direktoren waren, haben die personellen Bereinigungen auch politische Hintergründe und passen zu den rabiaten Säuberungswellen an staatlichen Institutionen aller Art, wie sie seit der Machtübernahme des Fidesz stattfinden. Die Oper kämpft wegen des übernommenen Beamtensystems mit enormen Personalkosten aus etlichen unkündbaren Verträgen.

Die 1883 eröffnete Oper in Budapest war von Beginn an durch Skandale und schräge Finanzlagen geschüttelt…

Bisher scheiterte noch jeder Direktor an einer wirtschaftlichen Führung des Hauses. Ausschlaggebend für den jetztigen Kehraus dürfte – neben druchaus denkbaren Verfehlungen – aber der Umstand gewesen sein, dass Direktor Vass noch von den Sozialisten, hier Kulturminister István Hiller, ernannt wurde und die Kulturabteilung des „Nationalressourcen“-Ministeriums die inhaltliche und personelle Hoheit über eine der wichtigsten Kultureinrichtungen des Landes übernehmen wollte. Ein Defizit an einem Haus nachzuweisen, das jedes Jahr ein Defizit ausweist, ist da nicht schwer. Die Regierungsgazette „Magyar Nemzet“ sekundierte die ministeriellen Intentionen mit der Behauptung, dass im Opernhaus mit Bekanntwerden der Kündigung tagelang der Reißwolf gelaufen wäre. In Österreich wird immer wieder darüber spekuliert, dass der für das Budapester Haus als externer Berater tätige ehemalige Wiener Operndirektor Ioan Holender die Leitung des Hauses an der Andrássy übernehmen könnte. Dieser dementiert das regelmäßig. Wer Holender ein bisschen kennt, und eigentlich sollten das mittlerweile viele sein, der müsste wissen, dass sich dieser unabhängige Kopf kaum auf ein solch ideologisiertes Wespennest einlassen und sich als Erfüllungsgehilfe einer neuen „Staatskultur“ hergeben wird.

Mehr zum Thema:

Über die Pläne, Ideen und Schwieirigkeiten an der Ungarischen Staatsoper führten der Pester Lloyd Ende 2009 ein Interview mit Lajos Vass (Im Interview mit Lajos Vass, Generalintendant der Ungarischen Staatsoper Budapest) Teuflische Mächte – September 2010

Saisoneröffnung und Zensur an der Ungarischen Staatsoper

Über die bewegte Geschichte der Oper Budapest http://www.pesterlloyd.net/budapest2009/oper/oper.html

Säuberungsaktionen – Jul 2010

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