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Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 30/2010 (II)

(c) Pester Lloyd / 30 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.

US-Pharmakonzern Mylan errichtet Verpackungswerk in Ungarn

26.07.2010 · Wirtschaft

US-Pharmakonzern Mylan errichtet Verpackungswerk in Ungarn

Der US-amerikanische Pharmahersteller, Mylan, der vor allem Generika produziert will seine Kapazitäten in Ungarn ausbauen und plant die Errichtung einer Verpackungsfabrik in Komárom für eine Investitionssumme von 67 Millionen EUR, meldet ein Staatssekretär des ungarischen Ministeriums für Nationalökonomie (Finanz- und Wirtschaftsministerium). Das neue Werk wird 400 neue Arbeitsplätze schaffen. Mylan erhält dafür Staatsbeihilfen über Steuerbefreiungen, die „unter 3 Millionen Forint je neuem Arbeitsplatz“ (ca. 10.000 EUR) lägen, sagte Staatssekretär Becsey auf einer Pressekonferenz. Die US-Botschafterin in Budapest, Eleni Tsakopoulos, nannte den Umstand, dass Ungarn seit 1990 ca. 9 Milliarden US-Dollar Direktinvestionen aus den USA registrieren konnte, einen Beweis dafür, dass das Land ein attraktiver Investionsstandort ist. Die Gründe liegen in der geographischen Lage, einer guten Infrastruktur vor allem aber in den „gut ausgebildeten, motivierten Arbeitern“. Mylan werde aufgrund der Erfahrungen mit dem Verpackungswert später entscheiden, ob es auch die Produktion der Medikamente selbst nach Ungarn verlagern werden.

Regierungschefs aus Ungarn und Slowakei trafen sich

26.07.2010 · Politik

Regierungschefs aus Ungarn und Slowakei trafen sich

Was sonst nur eine selbstverständliche Randnotiz darstellt, ist im Falle von Ungarn und der Slowakei ein wichtiger Akt der Völkerverständigung. Am Rande des Treffens der Regionalinitiative Visegrád 4 trafen sich die neuen Regierungschefs der beiden Nachbarländer zu einem „konstruktiven Treffen“. Iveta Radicova, Chefin einer konservativ-liberalen Vier-Parteien-Koalition in Bratislava und Viktor Orbán, Alleinherrscher aus Budapest, meinten nach ihrem Gespräch, dass die Beziehungen beider Länder allein schon durch das Stattfinden dieses Treffens besser geworden seien. Beide einigten sich auf „gemischte Kommittees“, die sich an die Streitpunkte beider Länder machen sollten, also Fragen von Sprachgesetzen, Minderheitenrechten, aber vor allem auch über Perspektivisches zu reden hätten, wie den Ausbau der Nord-Süd-Infrastruktur in der Region, grenzüberschreitende Kooperationen. „Sehr direkt, offen und freundlich“, nannte Radicova das erste Treffen mit ihrem Amtskollegen, man strebe nach „rationalen Lösungen“. Zudem lud sie Orbán zu einem Besuch in die Slowakei ein, Anlass wäre der 15. Jahrestag der bilateralen Grundsatzverträge zwischen den Ländern.

Ratingagenturen bestrafen Ungarn mit "schlechten Aussichten"

26.07.2010 · Wirtschaft

Ratingagenturen bestrafen Ungarn mit „schlechten Aussichten“

Die Auseinandersetzungen zwischen dem IWF und der ungarischen Regierung blieben an den Finanzmärkten nicht ohne Folgen. Nach dem erneuten Absacken des Forint gegenüber EUR und CHF um zwischenzeitlich über 3%, stuften nun auch, die für die Kosten der Staatsverschuldung so maßgeblichen Ratingagenturen Standard & Poors und Moodys die Bonität bzw. die „Aussichten“ des Landes herunter, was automatisch zu wachsenden Aufschlägen auf die Zinslasten für Staatspapiere, vornehmlich Anleihen, führt und damit den Schuldendienst verteuert.

S&P setzte den „Ausblick“ für die ungarische Bonität von „stabil“ auf „negativ“, weil „Schlüsselkomponenten des Regierungsplans zur Konsoloidierung der öffentlichen Finanzen negativ auf die mittelfristigen Wachstumsaussichten wirken“ könnten. Die Kreditratings für kurz- und langfristige Anleihen ließ man erst einmal unverändert auf „BBB-/A-3“. Moodys setzte die Ratings auf „Beobachtung für eine Herabstufung“. Auch diese „Experten“ benannten die „wachsenden Unklarheiten“ beim „finanziellen Ausblick und den wirtschaftlichen Perspektiven“ als die Gründe für ihre Maßnahme. Die Ökonomie des Landes bleibe „verletzlich“, vor allem wegen der hohen Fremdwährungsverschuldung, sowohl der Privathaushalte wie des öffentlichen Sektors. Daher sei das Vertrauen in die Stabilität beider besonders wichtig, die Auseinandersetzung mit dem IWF habe nicht gerade dazu beigetragen, dieses Vertrauen zu stärken. Auch eine ganze Reihe von in Ungarn aktiven Geschäftsbanken muss sich mit schlechteren Ratings abfinden, vor allem wegen der wackeligen Forex-Kreditportflios der Privatkunden.

Arbeitslosenrate in Ungarn sinkt langsam weiter

28.07.2010 · Wirtschaft

Arbeitslosenrate in Ungarn sinkt langsam weiter

Die offizielle Arbeitslosenrate ist in Ungarn zum zweiten Mal in Folge leicht gesunken. Die Daten des Statistischen Zentralamtes sehen die Rate für April bis Juni bei 11,1% in der Gruppe der 15-74jährigen, März-Mai waren es noch 11,4%, vor einem Jahr 9,6%. Ihren Tiefsstand hatte die Arbeitslosigkeit im Sommer 2008 mit 7,5%. Auch die Zahl der versicherungspflichtig Beschäftigten stieg, wenn auch minimal, so immerhin zum dritten Male nacheinander. Im letzten Quartal um 22.500 auf knapp 3,78 Millionen, womit die Beschäftigungsrate (der 15-74jährigen) zwar von 48,9 auf 49,2% steigt, aber immer noch eine der niedrigsten in der gesamten EU ist. Die Jugendarbeitslosigkeit bleibt mit knapp 25% dramatisch hoch.

Neuer Autobahnabschnitt in Budapest eingeweiht

28.07.2010 · Wirtschaft

Neuer Autobahnabschnitt in Budapest eingeweiht

Ungarn, vor allem die Hauptstadt, hofft durch den neuen Abschnitt auf eine Entspannung der Verkehrssituation rund um Budapest. Seit gestern verbindet die neue Autobahn M31 die M3 mit dem M=0-Ring der Stadt Budapest. Die Fahrbahn mit 12,4 Kilometern Länge wurde vom Chef der staatlichen Nationalen Entwicklungsgesellschaft NIF, Ferenc Orosz, an die – ebenfalls staatliche – Betreibergesellschaft übergeben. Durch den Streckenneubau soll der östliche Teil der M0 entlastet werden, man hofft auf eine Halbierung der Fahrzeuge von 50.000 auf 25.000 am Tag. Gekostet hat die Maßnahme rund 21,8 Milliarden EUR, wovon ein Teil aus EU-Geldern stammt, ein anderer aus gesparten Rücklagen beim Bau der M0.

Regierung hinterfragt Staatszuschuss für Öffentliche Verkehrsbetriebe Budapest

28.07.2010 · Nachrichten

Regierung hinterfragt Staatszuschuss für Öffentliche Verkehrsbetriebe Budapest

Zwischen der linksliberalen Budapester Stadtregierung und dem nationalkonservativen Wirtschaftsministerium bahnt sich ein Streit über die Zahlung der von der Vorgängerregierung zugesagten Beihilfen für die Aufrechterhaltung des Betriebes der Budapester Nahverkehrsgesellschaft BKV an. Oberbürgermeister Gábor Demszky forderte Wirtschaftsminister György Matolcsy auf, die noch unter der Bajnai-Regierung zugesagten 7,5 Milliarden Forint (ca. 26,5 Mio EUR) zu überweisen, ohne die die schwer defizitäre BKV nicht weiter arbeiten könne. Regierungssprecherin Anna Nagy teilte daraufhin mit, dass man Höhe und Verwendung der Staatshilfe zunächst überprüfe, um festzustellen „welcher Betrag maximal notwendig“ sei. Man werde die BKV aber nicht untergehen lassen, sagte Nagy weiter.

Die BKV erhält jährlich etwa 30 Milliarden Forint staatliche und städtische Zuschüsse, hinzu kam eine Einmalzahlung gegen die akute Notlage von nochmals 17 Milliarden, wovon knapp 10 Milliarden bereits überwiesen wurden. Nagy sagte, dass man die Zuschüsse an den budgettären Möglichkeiten, nicht nur an der Not des Unternehmens auszurichten habe. Die BKV steht im Zentrum eines Untreue-, Diebstahls-, Korruptions- und Vertuschungsskandales im Ausmaß von mehreren Millarden Forint, der Dutzende Ex-Manager in Haft und etliche MSZP- und SZDSZ-Politiker zu Fall brachte und die Reputation des Oberbürgermeisters vollends beschädigte.

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