(c) Pester Lloyd / 37 – 2010 KURZMELDUNGEN — gesammelte Meldungen dieser Woche aus dem Archiv.
Budapest kauft wieder second hand Straßenbahnen
13.09.2010 · Nachrichten
Budapest kauft wieder second hand Straßenbahnen
Die Budapester Verkehrsbetriebe BKV werden ein weiteres Mal Straßenbahnen auf dem Second-Hand-Markt beschaffen. Zunächst sollen 16 Garnituren der Baureihe TW6000 für jeweils rund 550.000 EUR gekauft werden. Von diesen „Hannover“-Straßenbahnen, denn dort fuhren sie vorher, hat Budapest bereits 2001 68 Züge angeschafft und damit „gute Erfahrungen“ gemacht, wie es heißt. (Die Fahrgäste stöhnten indes über schlechte Belüftung im Sommer, aber die werden sowieso nicht gefragt.) Die alten neuen Straßenbahnen sollen die ganz alten ersetzen, die noch von der Budapester Traditionsfirma Ganz stammen.
Insgesamt stehen der BKV, die sich aufgrund überbordernder Verschuldung solche Anschaffungen aus eigener Kraft gar nicht leisten könnte, 10 Mrd. Forint (ca. 35 Mio EUR) zur Flottenerneuerung über einen Sonderfonds der Hauptstadt zur Verfügung. Derzeit sind auf den Schienen der Hauptstadt 584 Straßenbahngarnituren im Einsatz, mit einem Durchschnittsalter von 26 Jahren. Die TW6000 wurden von den Siebziger bis in die Neunziger Jahre von der deutschen Firma DUWAG, später von Siemens und der Alstom-Tochter Linke-Hofmann-Busch produziert. Alstom liefert auch die U-Bahnen für die Metrolinie 4, um die es viel vertraglichen Ärger gibt.
Streit um Weltkulturerbe Tokaj
13.09.2010 · Nachrichten
Streit um Weltkulturerbe Tokaj
Eine Delegation der UNESCO wird in den nächsten Wochen überprüfen, ob ein Biomassekraftwerk, das vor zwei Jahren in der traditionsreichen ungarischen Weinbauregion Tokaj in Betrieb genommen worden ist, mit dem Weltkulturerbestatus der Region vereinbar ist. Verschiedene Umweltgruppen hatten schon vor der Errichtung des 50MW-Kraftwerks der Firma BHD Hóerömü ihre Bedenken geäußert, die aber nicht berücksichtigt worden waren. Winzer wie Umweltfachleute sehen ein Kraftwerk dieser Größe als Risiko für das landschaftliche und ökologische Gleichgewicht der Region, ein Gericht konnte Anfang des Jahres solche Risiken jedoch nicht erkennen und lehnte einen geforderten Betriebsstopp ab. In der Region gibt es mehrere Bürgermeister und Lokalpolitiker denen der Status als Kulturerbe ohnehin ein Dorn im Auge ist, z.B. weil dadurch aus ihrer Sicht ökonomisch wichtige Straßenbauprojekte nicht vorankommen. Sie fordern offen eine Aberkennung.
Mord an Triathleten in Budapest aufgeklärt
16.09.2010 · Nachrichten
Mord an Triathleten in Budapest aufgeklärt
Der Mord an dem Triathleten in Budapest, einem Teilnehmer der kürzlich abgehaltenen Weltmeisterschaften in Ungarn, ist offenbar aufgeklärt. Die Budapester Polizei hat am Montagabend einen 33jährigen ungarischen Bürger verhaftet, der dringend tatverdächtig ist. Das 48jährige Mordopfer stammte aus Neuseeland und startete für Ecuador in der Amateur-Gruppe der Triathlon WM. Wie die Polizei mitteilt, handelt es sich bei dem Verhafteten um einen einschlägig wegen tätlicher Delikte Vorbestraften aus dem Rotlichtmilieu. Offenbar war es zwischen beiden Männern zu einem Streit um eine Prostituierte gekommen. Das Opfer wurde Sonntagnacht von mehreren Messerstichen stark blutend niedergestreckt in der Nagymezö utca, im Zentrum Budapests, gefunden und verstarb kurz darauf im Krankenhaus.
EU-Parlamentspräsident zu Besuch in Ungarn
17.09.2010 · Nachrichten
EU-Parlamentspräsident zu Besuch in Ungarn
Der Präsident des Europäischen Parlaments, Jerzy Buzek, stattet Ungarn am Freitag einen Arbeitsbesuch ab, um die Schwerpunkte der kommenden EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2011 abzustimmen. Am Nachmittag trifft er dazu Ministerpräsident Viktor Orbán im ungarischen Parlament, danach wird er eine Rede an der „Sommeruniversität des Europäischen Ideennetzwerkes“ halten. Am Abend wird Buzek am Europäische Zentrum für Romarechte erwartet, um sich über die Situation der Roma – nicht nur in Ungarn – zu informieren.
Bei den Absprachen mit der ungarischen Regierung müsste zumindest ein grundsätzliches Missverständnis geklärt werden. Die ungarische Regierung erklärte nämlich das „Engangement für Minderheiten- und Menschenrechte“ zu dem eigenen Schwerpunkt ihrer Präsidentschaft, meint damit aber nicht die drängenden und tiefgreifenden Probleme der mehr als 500.000 Roma in Ungarn sowie der 9-11 Millionen in der EU, sondern vornehmlich das Engagement für die Rechte der Ungarn „hinter den Grenzen“, also in den Nachbarländern Rumänien, Slowakei, Ukraine und Serbien, zu deren Schutz und Unterstützung sich die nationalkonservative Regierung besonders berufen fühlt.
Ungarische Diplomaten wollen gegen Entlassung klagen
17.09.2010 · Nachrichten
Ungarische Diplomaten wollen gegen Entlassung klagen
Rund ein Dutzend ehemaliger Diplomaten in Diensten Ungarns will sich nicht mit der kürzlich vollzogenen Amtsenthebung durch die neue Regierung abfinden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur MTI zieht die Gruppe eine arbeitsrechtliche Klage in Betracht, um die „unfairen Entlassungen“ auf für rechtlich ungültig erklären zu lassen. Ein Teil der jetzt Klagenden wurde lediglich einige Monate vor der Wahl beamtet und in diplomatische Aufgaben gesandt. Einer der Betroffenen, Ádám Kemény, sollte z.B. ungarische Wirtschaftsinteressen in der Ukraine vertreten. Er sieht sich durch die quasi fristolse Kündigung nicht nur finanziellen Einbußen gegenüber, sondern seine Karrierechancen dadurch generell gefährdet. Bisherige Bemühungen der Medien das Außenministerium zu einer Stellungnahme hinsichtlich des Falles zu bewegen, blieben erfolglos.
Zum Thema:
14 ungarische Botschafter werden zurückgerufen – Jul 2010
Schwindeln fürs Vaterland – Sep 2010 Ungarischer Regierungschef schwört seine Diplomaten auf griffige Slogans ein
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