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MAL wirft Ungarn Willkür vor

(c) Pester Lloyd / 45 – 2010 NACHRICHTEN 08.11.2010

und fordert Hoheit über das Werk zurück

Das Management der MAL Zrt., dem Aluminiumwerk aus dem eine Giftschlammwelle austrat, die zehn Menschen das Leben kostete, geht in der Schuldfrage in die Offensive und verlangt von der Regierung eine Aufhebung der Staatsaufsicht über das Unternehmen. Rechtsvertreter György Ruttner warf der Regierung eine unrechtmäßige „Vorverurteilung“ vor. Man habe das Unternehmen für die Katastrophe schon verantwortlich gemacht, bevor unabhängige Untersuchungen die Ursache wirklich ermitteln konnten. Am Freitag wurde ein Regierungs-Dekret bekannt, wonach ein „Schadensersatzverfahren“ gegen die MAL eingeleitet werden soll. Der MAL-Anwalt nannte das Vorgehen der Regierung „beispiellos, inakzeptabel und schockierend“, dass nicht ein Gericht, sondern die Regierung „festlegt“, wer Schuld hat und wer nicht. MAL hatte Ende Oktober außerhalb des Rechtsweges jeder Familie, die einen Toten zu beklagen hatte, ein paar Millionen Forint (so rund 7-10.000 EUR) angeboten. Doch der Regierungsaufseher über die MAL, György Bakondi, hat jede Zahlung untersagt, welche die MAL von späteren und weitergehenden Ansprüchen befreien könnte. Daher sei es Schuld der Regierung, „wenn die Opferfamilien“ noch immer kein Geld von MAL erhalten konnten. Wenn aber die MAL Entschädigungen und den Schaden zahlen soll, muss das Unternehmen Gewinne erwirtschaften, d.h. das Management wieder in seine vollen Rechte eingesetzt und die Staatsaufsicht beendet werden.

Das Management der MAL hatte sich seit Anbeginn der Katastrophe zynisch gegenüber den Opfern und der Katastrophe verhalten. Bis heute wird auf der Webseite mal.hu den Opfern einer „Naturkatastrophe“ kondoliert, tagelang hörte man überhaupt nichts vom Unternehmen, dann sprach ein Manager davon, dass die Giftbrühe „nicht gar so giftig sei“. Ein anderer wollte sogar einen „Terroranschlag“ als „einzig denkbare“ Ursache erkennen. Eine von der MAL eingesetzte „unabhängige Expertenkommission“ kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass das „Unglück“ von einer Kette von Ursachen geleitet war, die zu beherrschen oder zu erkennen „nicht in der Macht des Unternehmens“ lag. Einer der Werksleiter war Deutscher, er zog sich mittlerweile kommentarlos aus Ungarn und jeglicher Verantwortung zurück, leitet aber offenbar die Handelsniederlassung der MAL Deutschland in Düsseldorf. Das dreiste Management trifft nun auf eine wenigstens ebenso selbstbewusste Regierung, die sich tatsächlich nicht sehr um Rechtsstaatlichkeit kümmert, so es ihren Interessen dient, wie man schon an anderen Beispielen sehen konnte.

Update 05.11. Warten auf die nächste Giftschlammflut Update 06.11. Zehntes Todesopfer der Giftschlammkatastrophe

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