(c) Pester Lloyd / 06 – 2009 WIRTSCHAFT 07.02.2009
Sturzflug statt Luftfahrt
Malév bleibt Gehälter schuldig
Die schwer defizitäre Fluglinie Malév hat ihren Angestellten bisher nur einen maximalen Gehaltsvorschuß von 50.000 Forint (ca. 160 EUR) ausbezahlt und blieb den Rest der Löhne bisher schuldig, berichtet die Népszabadság. Die ehemalige nationale Fluglinie Ungarns wechselt gerade erst wieder den Besitzer, weg vom Privatisierungsgewinner AirBridge (Krasair) des Boris Abramowitsch, hin zur staatlichen russischen Bank VEB, die die Zahlungsschwierigkeiten von Abramowitschs Konsortium zur Übernahme nutzte. Malév hat derzeit mit einem massiven Liquditätsengpass zu kämpfen und Schwierigkeiten die Leasingraten für Flugzeuge, Gehälter, Kerosinrechnungen zu begleichen. Arbeitnehmervertreter geben dem Management nun noch einige Tage Zeit, bevor über Ausstände nachgedacht werden soll. Der neue Besitzer war sich bei der Übernahme der finanziell und geschäftlich schwierigen Lage bewußt, eine massive Investition und zweite Umstrukturierung halten FAchleute für überlebenswichtig. Die VEB-Bank hält auch Anteile an der russischen Marktführerin Aeroflot, daher erhofft man sich eine wie immer geartete „strategische Partnerschaft“.
Fly Balaton Airport kämpft ums Überleben
Der Balatonflughafen in Sármellék steht nach Medienangaben zum Verkauf. Die irisch-ungarischen Eigner und Betreiber des Airports, Cape Clear Aviation, mussten bereits im November den Betrieb einstellen, nachdem sowohl Billigflieger Ryanair als auch der Logistikkonzern DHL bis März keine Flüge mehr von Sármellék durchführen werden. Nun werden die Gläubiger hektisch und fürchten, dass man bis dahin nicht durchalten wird. Im letzten Monat kündigte bereits der Chef, Ágoston Gubicza. Anfragen auf Staatshilfen wurden bisher abschlägig beantwortet.
Serviert die Austrian Airlines sich bald die Henkersmahlzeit? Foto: AUA
AUA auf der Kippe – Sky Europe fast darüber
Die Probleme der Luftfahrtindustrie in Mittelosteuropa betreffen auch so ein altes Schlachtroß wie die noch staatliche Austrian Airlines. Deren Chef Alfred Ötsch, wurde nach zwei desaströsen Jahren gefeuert (bzw. ging er), die 200 Mio EUR Staatshilfe sind bald aufgebraucht, bevor der Notkäufer Lufthansa überhaupt die Möglichkeit hat, steuernd einzugreifen. Derzeit bemüht man sich, um die Umsetzung eines Notprogramms, mit Stellenstreichungen, Erweiterungen der Staatshilfe (was von der EU gesondert genehmigt werden muss) und Streckenschließungen. Bis die Synergien und das neue Management der Lufthansa greifen, könnte die AUA schonzu einer „Vienna Airline“ regionalisiert sein, ängstigt sich das patriotische Österreich. Auch Sky Europe hangelt sich von Notkredit zu Notkredit, dass den Investoren bald die Puste oder die Geduld ausgeht, ist nicht schwer vorherzusagen. Lediglich die WizzAir brachte unlängst noch optimistische Meldungen. Die Wirtschaftskrise wird zur finalen Bereinigung in der Branche beitragen. 2-3 Carrier blieben dann in Mittelosteuropa bestimmend, der Rest verschwindet vom Markt. Die Frage ist nur noch, wer wird der erste sein?
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren





