(c) Pester Lloyd / 40 – 2009 KULTUR 29.09.2009

Mord und Totschlag im Goethe-Institut
Spätestens seit Henning Mankell erfreut sich der nordische Kriminalroman einer wachsenden Fangemeinde. Wieso sind aber gerade die nordischen Krimis so erfolgreich? Am europäischen Tag der Sprachen reisten sechs erfolgreiche Krimiautoren aus den an die Ostsee angrenzenden Ländern im Rahmen des Baltic Sea Festivals ins Budapester Goethe Institut und gaben Einblick in die Welt des fiktiven Verbrechens.
Aus Dänemark erschien Gretelise Holm, aus Estland der Krimiautor Indrek Hargla, aus Finnland Leena Lehtolainen, aus Polen Mariusz Czubaj, aus Schweden der allseits bekannte wie erfolgreiche Autor Håkan Nesser und zu guter Letzt aus deutschen Gefilden Matthias Altenburg alias Jan Seghers. Einig waren sich die Autoren darüber, dass der nordische Krimi so erfolgreich ist, weil er Gesellschaftskritik und realistische Protagonisten vereine. Der baltische Krimi gebe zwar keine klaren Urteile über die Gesellschaft vor, rege aber den Leser durch detailreiche Situationsbeschreibungen dazu an, auf Zustände aufmerksam zu werden und sich eine eigene Meinung zu bilden. Im Rahmen eines spannenden Krimis sei dies einfacher zu bewerkstelligen als in einem drögen Sachbuch.
Gretelise Holm betont außerdem: „Die Krimiautoren aus der baltischen Region nutzen meist sehr realitätsnahe Persönlichkeiten. Die Leser können die Geschichten leicht nachvollziehen, sie sind wirklichkeitsnah. Der Mörder könnte der Nachbar von nebenan sein.“
Mord muss sein!
Was das Schreiben eines Kriminalromans angeht, sind die Autoren wiederum einer Meinung: Wichtig ist einerseits, den Ort des Geschehens sehr genau zu kennen und andererseits einen groben Plan der Geschichte zu haben. Håkan Nesser hierzu: „Krimiautoren, die behaupten, das Ende der Geschichte beim Beginn des Schreibprozesses nicht zu kennen, lügen!“. Der Autor könne beim Schreiben stets merken, dass kleine Änderungen sinnvoll sind und diese dann auch durchführen, aber der grobe Ablauf stehe fest. Den Ausgang der Geschichte zu kennen, sei besonders wichtig, um kleine Tricks und Kniffe einbauen zu können, die den Leser auf eine falsche Fährte führen. „Man weiß mindestens, wer der Mörder war und warum er es getan hat.“ sagt Leena Lehtolainen aus Finnland. Auf die Frage, ob in ihren Krimis immer ein Mord und kein anderes Verbrechen geschehen müsse, sind sich die Autoren wieder einig: definitiv ja. Ein Mord sei einfach mysteriöser, da es mindestens eine Person gäbe, die keine Auskünfte mehr zur Tat geben könne. Außerdem sei ein Mord in keiner Weise rückgängig zu machen, anders als zum Beispiel ein Raub. Ein völlig offenes Ende lehnen die Autoren ab. Die Leser seien damit nicht zufrieden zu stellen. Mindestens der Mörder müsse entlarvt werden.
Das Wichtigste nach Håkan Nesser ist allerdings, „einfach eine gute, glaubhafte Geschichte zu erzählen“.
Die aktuellen Krimis der Autoren:
Jan Seghers: Die Partitur des Todes
Hakan Nesser: The Mind’s Eye Mariusz Czubaj: 21:37 Gretelise Holm: Tödliche Bürde Indrek Hargla: Angelic Creature (Ort des Geschehens ist Budapest!)
Leena Lehtolainen: Auf der falschen Spur
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