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Oberzensor ausgetauscht: Chef der staatlichen Nachrichtenagentur in Ungarn gefeuert

(c) Pester Lloyd / 42 – 2012 MEDIEN 19.10.2012

Oberzensor wird ausgetauscht Chef der staatlichen Nachrichtenagentur in Ungarn gefeuert

Der Chef der staatlichen Nachrichtenagentur MTI, Csaba Belénessy, tritt zu Jahresende von seinem Posten zurück, offiziell heißt es: Vertragsaufhebung in gegenseitigem Einvernehmen. Er gibt als Grund für den Rückzug an, dass er „der ständigen Auseinandersetzungen mit dem MTVA(Zentralverwaltung des öffentlich-rechtlichen Rundunks)-Chef Böröcz müde ist.“

Insider berichten jedoch, dass Belénessys Führungsstil für die Agentur untragbar geworden ist. Vor einigen Tagen setzte er seinen Chefredakteur mit Hilfe von Sicherheitsleuten vor die Tür, nachdem er während einer Sitzung mit ihm aneinandergeraten ist. Belénessy will seine „30jährige Erfahrung“ ab kommendem Jahr im privaten Medienbereich „einbringen“. Die Agentur MTI, mit noch rund 150 Mitarbeitern, hat unter dem neuen Mediengesetz den Auftrag die gesamte Nachrichtenaufbereitung und -beschaffung für alle öffentlich-rechtlichen Sender -exklusiv- vorzunehmen. Alles, was MTV, Duna TV oder das Ungarische Radio im News-Bereich senden, stammt also von MTI, das auch ein eigenes Monitoring- sprich Aufsichtssystem über die Beiträge der Medien betreibt. Mitarbeiter sprechen von direkter Zensur durch Themenvorgabe und Formulierungsvorschriften. Teilweise geht die Überwachung der „betreuten“ Sender so weit, dass MTI-Mitarbeiter sogar bei TV-Aufzeichnungen und Interviews als Kontrolleure („proffessionelle Berater“) dabei sind. Dieses System der Gleischschaltung und Aufhebung der redaktionellen Autonomie hat Belénessy wesentlich mit aufgebaut.

Für das Publikum macht sich die mittlerweile vollendete Gleichschaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, neben der eher subtilen Anwendung durch entsprechende Themen- und Schwerpunktsetzung manchmal auch sehr offensichtlich bemerkbar, u.a. durch solche Ausrutscher wie die stümperhafte Retousche eines nicht mehr gern gesehenen Ex-Politikers, der manipulierte Beitrag zum als „Kinderschänder“ dargestellten Grünen-Politiker Cohn-Bendit oder, wahrscheinlich der bisherige Höhepunkt: der Bericht über eine Antiregierungsdemo mit über 40.000 Teilnehmern, der vor einer leeren Straße produziert wurde, spätere Ausrede: die Reporter hingen im Stau fest… Der MTI-Chef wird passenderweise vom Ministerpräsidenten vorgeschlagen und vom Präsidenten eingesetzt, damit ist klar, welche Art Nachfolger diesen heute mächtigen Posten ausfüllen wird.

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