(c) Pester Lloyd / 23 – 2014 NACHRICHTEN 02.06.2014
Mit leicht neidischem Genuss stürzen sich Regierungspartei, Hofpresse und Verschwörungsportale auf den Umstand, dass Ex-Ministerpräsident Gordon Bajnai, von der linksliberalen Partei „Gemeinsam 2014“, zum diesjährigen Treffen der sog. Bilderberger, das ab Donnerstag in Dänemark stattfindet, eingeladen wurde. Als einziger Vertreter Ungarns!
Ungarns Ex-Premier Bajnai an der Jerusalemer Klagemauer. Noch Fragen? Fidesz-Fraktionschef Rogán „bat“ Bajnai „dort ungarische Interessen zu vertreten“ so wie das „alle ungarischen Politiker, egal welcher politischen Zugehörigkeit, immer tun sollten“. Fidesz-Vize Kósa sorgt sich insgeheim um den „Ruf“ dieser „Weltregierung“, denn da diese beansprucht die „weltweit einflussreichsten Personen“ zu ihren Konferenzen „hinter verschlossenen Türen“ einzuladen, könne es mit ihrer Bedeutung nicht mehr weit her sein, wenn „ihr niemanden sonst als Bajnai aus Ungarn“ dazu einfällt. Offenbar sind die Bilderberger zu einem Debattierklub verkommen, bedauert Kósa fast, denn das gängige Bild der Bilderberger als Teil der jüdisch-freimaurerisch-großkapitalistischen Weltverschwörung passte bisher ganz wunderbar in die Fideszsche „Befreiungstheologie“. Kurz gesagt: ein Welttreffen ohne Orbán kann nicht bedeutend sein.
Die Opposition schoss entspannt und nicht minder ironisch zurück: man sei völlig einverstanden mit der Forderung, dass Bajnai bei den Bilderbergern gefälligst ungarische Interessen vertreten solle und hoffe nur, dass der scheidende ungarische Außenminister Martonyi, Fidesz, das gleiche getan hat – als er 2008 zu dem Treffen geladen war. Zudem sei ja offensichtlich, dass auch Orbán ausschließlich ungarische Interessen vertrete, u.a. als er kürzlich die Energiepolitik des Landes „an die Russen verkauft“ habe. Außerdem erinnerte man daran, dass es keiner „Ostküste“ bedarf, um Ungarn in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen, ein einziger Sager z.B. eines Kósa genüge, um den Forint in den Keller zu fahren… – Ein Jobbik-Vertreter, für die Bilderberg nichts anderes als ein Synonym für antiungarischen Satanismus darstellt, „verlangt“ die „Öffentlichmachung der Details“ und der „Instruktionen, die dort die ungarischen Vertreter erhalten“. Es war dies übrigens derselbe Jobbik-Mann, der mehrfach die „Registrierung“ der „jüdischen Parlamentarier“ in Budapest verlangte. red.
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