Rekordhitze und sinkende Donaupegel verstärken die Versorgungskrise. Budapest verschärft Wasserrestriktionen und bereitet sich auf mögliche Stromengpässe vor.
Budapest/Paks/Szeget. Ungarn erlebt eine Hitzewelle historischen Ausmaßes – mit Folgen die bisher ungekannt sind. Rekordtemperaturen, sinkende Pegelstände und akuter Wassermangel setzen Energieversorgung, Infrastruktur und öffentliche Verwaltung unter Druck. Nach der bereits drastischen Drosselung des Kernkraftwerks Paks bereitet sich die Regierung nun auf den Ernstfall eines vollständigen Stillstands vor.
Bereits in den vergangenen Tagen berichtete der Pester Lloyd über die sinkenden Wasserstände der Donau, die Abschaltung von Reaktorblöcken in Paks, den austrocknenden Velence-See sowie Energiesparmaßnahmen wie das Abschalten der Monumentenbeleuchtung in Budapest. Die Lage verschärft sich nun weiter.
Ministerpräsident Péter Magyar erklärte am Samstag, dass das Kernkraftwerk Paks möglicherweise bereits an diesem Wochenende vollständig vom Netz genommen werden müsse. Der Wasserstand der Donau sinke weiter, wodurch die Kühlung der Reaktoren zunehmend erschwert werde. Die Leistung des Kraftwerks sei bereits von regulär rund 2.000 MW auf lediglich 480 MW reduziert worden.
Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers MAVIR wurde inzwischen das Protokoll für schwere Netzstörungen aktiviert. Die Regierung ließ sämtliche verfügbaren Reservekraftwerke anfahren – selbst ältere Anlagen, die lange außer Betrieb waren. Gleichzeitig werden Stromimporte und die heimische Erzeugung im Stundentakt koordiniert.
Industriebetriebe reduzierten ihren Stromverbrauch auf freiwilliger Basis bislang um rund 240 MW. Sollte Paks vollständig ausfallen, sollen jedoch erstmals verpflichtende Verbrauchsbeschränkungen für Großverbraucher möglich werden. Haushalte stünden nach Angaben der Regierung „am Ende der Abschaltkette“ und sollen erst betroffen sein, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sind.
Zusätzlich ordnete die Regierung an, den Schienengüterverkehr ab Montag zwischen 17 und 22 Uhr auszusetzen, um die Stromnachfrage zu senken. Für große Teile der Staatsverwaltung gilt zu Wochenbeginn Homeoffice, Unternehmen werden aufgefordert, Bürogebäude nur noch mit minimalem Energieeinsatz zu betreiben. Dekorative Beleuchtungen öffentlicher Gebäude werden landesweit abgeschaltet.
Parallel verschärft sich auch die Wasserkrise. Die Regierung ordnete in allen betroffenen Regionen Wasserrestriktionen der höchsten Stufe an. Nicht notwendiger Wasserverbrauch soll dort untersagt werden. Laut Magyar sei der ausbleibende Niederschlag im Donaueinzugsgebiet die Hauptursache. Österreich und die Slowakei hätten entgegen kursierender Behauptungen keine Maßnahmen ergriffen, welche den Wasserzufluss nach Ungarn verringern würden.
Selbst wenn Regen einsetzt, dürfte eine Rückkehr zum Normalbetrieb Zeit benötigen. Nach Angaben des stellvertretenden technischen Direktors des Kernkraftwerks könnte das Wiederanfahren aller vier Reaktoren nach einer vollständigen Abschaltung bis zu einer Woche dauern. Einen gleichzeitigen Neustart sämtlicher Blöcke habe es in der Geschichte von Paks bislang noch nie gegeben.
Die Hitzewelle erreicht unterdessen neue Rekorde. HungaroMet registrierte am Freitag in Budapest bereits am Morgen 25,3 Grad – so warm war ein 31. Juli in der Hauptstadt noch nie. Am Nachmittag wurden in Újpest 39,4 Grad gemessen. Dieser Wert stellt nicht nur einen neuen Budapest-Rekord dar, sondern erreicht zugleich den nationalen Höchstwert für dieses Datum, der seit 1917 Bestand hatte.
Quellen: MTI
Photo: Kiskunmajsa – Freiwillige Wasserwächter von Marispuszta via Facebook.









