(c) Pester Lloyd / 44 – 2010 NACHRICHTEN 04.11.2010
Russland beschwert sich bei der EU über MOL
Während die ungarische Seite so tut, als ginge es nur noch um das „Wie“ statt des „Ob“ bei einem anvisierten Rückkauf der MOL-Aktien von der russischen Surgutneftegas, hat der russische Vizepremier Igor Sechin vor der EU seinen Unmut darüber deutlich gemacht, dass das 21,2%ige MOL-Aktienpaket in Besitz des staatlichen russischen Ölkonzerns immer noch nicht ins Aktionärsregister eingetragen ist und dem Anteilseigner so die Ausübung seiner Eigentümerrechte verwehrt wird. Darüber beschwerte er sich nun offiziell bei EU-Energiekommissar Günter Oettinger.
Das Hickhack um die Investition der Russen zieht sich nun schon 2 Jahre, zuletzt hatte Ungarn nochmals klar gemacht, dass man solche „Investoren“ nicht wünsche, erst recht nicht in „strategisch“ bedeutsamen Branchen. Zahlreiche Szenarien des Rückkaufs machten die Runde: der Staat würde die rund 1,6 Mrd. EUR zahlen, man könne die Russen mit einer Beteiligung an der Erdgaslagerung abfertigen, eine private Investorengruppe um ein paar halbstaatliche Oligarchen herum könnte vorgeschickt werden.
Doch all diese Gedankenspielchen wurden von dem russischen Regierungsvertreter in Brüssel beiseite gewischt. Er sieht den Surgut-Einstieg als strategisches Engagement, auch wenn das MOL-Management davon nichts wissen will und sich über die Lex-Mol abgesichert sieht, in der das Parlament die Stimmrechte eines Einzelaktionärs auf 10% beschränkt hat, egal wie groß sein Aktienpaket ist. Den Österreichern von OMV genügte das dann, um ihre feindlichen Übernahmeversuche zu beenden und eben jenes jetzt so umkämpfte Aktienpaket in einem Racheakt an die Russen weiterzugeben. Surgut produziert 65 Mio t Erdöl im Jahr, die MOL wolle man als Vertriebspartner entwickeln, sagte Sechin zu den Plänen. Dazu müsse man aber ersteinmal Zugang zu den Hauptversammlungen bekommen, bereits zwei Jahre ist man wegen unbegründbarer Verwaltungsschikanen des Ungarischen Energieamtes davon ausgeschlossen, auch vor ungarischen Gerichten konnte man sich nicht durchsetzen. Oettinger will sich den Fall anschauen, hieß es.
Hintergrund:
Ausgesperrter Riese – 13.07.2010 Surgutneftegas zieht in Ungarn vor Gericht
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