(c) Pester Lloyd / 09 – 2013 NACHRICHTEN 26.02.2013
Es verdichten sich Gerüchte, wonach die ungarische Regierung plant, die lokale Tochter des Mobilfunkanbieters Vodafone zu übernehmen. Zuvor war die aus "nationalstrategischen" Überlegungen forcierte Einführung eines staatlichen, dann vierten Mobilfunkanbieters, gescheitert, an formaler, konzeptioneller Stümperei und fehlendem Know how bei hohem finanziellem Risiko
Insgesamt hat man damit bereits mehrere Millionen Euro in den Sand gesetzt, die Vorstände traten der Reihe nach zurück und die Ausschreibung für die Frequenzen, die man natürlich gewann, musste zurückgezogen werden, weil das staatliche Konsortium als solches überhaupt kein Recht hatte, daran teilzunehmen. Das merkte man aber erste hinterher. Es arbeiten für das Konsortium MPVI aus Post, Entwicklungsbank und Elektrowerken MVM aber immer noch 64 Festangestellte, die mit brutto monatlich 750.000 Forint das Dreifache des Durchschnittslohns „verdienen“. Mehr zu dieser Totgeburt und einigen anderen planwirtschaftlichen Abenteuern .
Der Kauf von Vodafone könnte erleichtert werden, weil die Führung des britischen Konzerns mit der Performance der ungarischen Tochter nicht sonderlich zufrieden ist. Vodafone liegt mit rund 22% Marktanteil weit hinter Telenor (31%) und T-Mobile (46%) zurück, der Konzern will jedoch nur langfristig auf Märkten bleiben, wenn man dort die dominierende Position einnimmt oder zumindest die Aussicht darauf hat. Für die Regierung wäre die Übernahme perfekt, bekäme man eine komplette Infrastruktur und einen Kundenstamm. Über steuerlichen Benefits und indirekte Beihilfen sowie die Macht über die Frequenzbehörden, könnte die Regierung ihre Marktanteile natürlich ausbauen. Verstöße gegen EU-Wettbwerbsrecht etc. spielen für diese Regierung ohnehin keine Rolle. Die Frage bleibt nur, wozu das gut sein soll. Um die Ecke gedacht, bestünde ein Nutzen des Betreibens von Mobilfunknetzen für den Staat nur darin, einen besseren Zugriff auf die Daten der Bürger zu bekommen, z.B. im Zusammenhang mit der angestrebten Einführung einer Steuer auf Online-Gambling, Internetzensur inklusive .
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