(c) Pester Lloyd / 38 – 2009 POLITIK 16.09.2009
Ungarn nimmt einen Guantánamo-Häftling auf
Ungarns Premierminister Gordon Bajnai kündigte am Mittwoch in Budapest an, dass sein Land einen Insassen des Gefangenlagers des US-Militärs in Guantánamo aufnehmen wird. Man reagiert damit auf die Anfrage der Regierung Obama, welche die NATO-Mitglieder um Mithilfe bei der Lösung des Problems dieses völkerrechtlich illegalen Anhaltelagers gebeten hatte. Ungarn konnte, nach Angaben des Regierungschefs, aus einer kleinen Liste von möglichen Kandidaten wählen, die Ungarn als mögliches Exilland angegeben bzw. nicht ausgeschlossen hatten.
Bajnai versprach, dass eine 18jährige Übergangsphase eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft ermöglichen soll. In Wirklichkeit geht es jedoch um Abschottung und Schaffung einer völlig neuen Identität. Die ehemaligen Häftlinge sollen nicht nur vor neugierigen Medien geschützt werden, sondern gelten auch als durch Extremisten gefährdet. Außerdem waren sie Folterungen, Demütigungen und jahrelanger Isolation sowie völliger Entrechtung ausgesetzt, was ein Leben, zumal wieder in einer fremden Umgebung, nicht einfacher macht. Die Regierung wird die im Parlament vertretenen Parteien zu einem späteren Zeitpunkt genauer über die Umstände und den Kandidaten informieren. Der Regierungssprecher ergänzte, dass es sich bei der Person wahrscheinlich um einen Palästinenser handelt.
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