(c) Pester Lloyd / 47 – 2009 WIRTSCHAFT 17.11.2009
Ungarn verzichtet auf die letzte IWF-Kreditrate
Der ungarische Finanzminister Péter Oszkó hat nun auch offizielle verkündet, dass Ungarn die letzte Tranche des IWF-Notkredites von insgesamt 20 Mrd. EUR über 792 Mio EUR nicht abrufen wird. Über die Möglichkeit eines solchen Schrittes wurde schon seit langem gesprochen, auch hatte man die Auszahlungsfrist der Kreditraten bereits verlängern lassen.
Eine IWF-Delegation stärkte Ungarns Regierungschef den Rücken, in dem es das Defitziel im Haushaltsentwurf für 2010 von 3,8% auf das BIP als realistisch bezeichnete. Der Delegationsleiter James Morsink fügte aber hinzu, dass es durchaus Risiken gibt, die eine Verfehlung des Zieles möglich machen. Morsink habe sich auch mit Vertretern des Fidesz getroffen, die ihm ihre Befürchtungen eines Defizites jenseits der 7% vortrugen, doch halte er die „3,8% für erreichbar.“ Die Europäische Union begrüßte ebenfalls den Schritt Ungarns, auf die letzte Tranche des Notkredits zu verzichten. Die Kommissionsvertreterin Barbara Kaufmann merkte dazu an, dass man mit den Stabiliserungschritten des Landes zufrieden sein könne und so das Geld „für später verfügbar“ bleibe.
Die größte Panik scheint vorbei, die Anst ist es noch nicht. Finanzminister Péter Oszkó im Parlament.
Finanzminister Oszkó bestätigte zudem die Eckdaten, mit denen die ungarische Regierung das Budget für 2010 erstellt habe. Er rechnet mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,7% 2009 und 0,6% 2010. Die ursprüngliche Planung hatte für 2010 noch -0,9% gelautet. Die Inflation (genauer der Consumer Price Index) wird für dieses Jahr auf 4,5%, für 2010 auf 4,1% prognostiziert. Ungarn sollte so schnell wie möglich in den ERM-2-Prozess kommen, also die letzte Vorstufe zur Einführung des Euro. Das forderte ein weiteres Mal der Chef der Ungarischen Nationalbank, András Simor. „Sobald unser Land auf dem Weg ist, die Kovergenzkriterien zu erfüllen“, sollte es die Einführung der Gemeinschaftsährung anstreben, allein schon, um die Möglichkeiten spekulativer Angriffe auf den Forint für die Zukunft abzuwenden. Andernfalls wäre das Land weiterhin und noch mehr angreifbar.
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