(c) Pester Lloyd / 08 – 2013 NACHRICHTEN 20.02.2013

Die Staatsschuldenquote von Ungarn konnte im abgelaufenen Jahr 2012 von 81,4% Ende 2011 auf 79,0% Ende 2012 gesenkt werden, geht aus einer ersten Lesung des Finanzabschlusses der Ungarischen Nationalbank, MNB, hervor. Nach Maastricht-Kriterien lag die öffentliche Schuldensumme per 31.12. bei 22.373 Milliarden Forint (nach heutigem Kurs knapp 77 Mrd. EUR). Der größte Teil der Schuldenreduktion war 2012 auf den günstig verlaufenen Forintkurs zurückzuführen, sie brachte dem Land rund 690 Milliarden Forint ein, während die Nettokreditaufnahme, also der Finanzierungssaldo aus bezahlten und aufgenommenen Zinsen und Krediten, ein Minus von 373 Mrd. Forint ergab. Die Devisenreserven sanken – auf hohem Niveau – um rund 4 Mrd. EUR. Der Refinanzierungsbedarf der öffentlichen Kassen lag 2012 bei 2,1% des BIP, im 4. Quartal bei 3,3%
Die Entwicklung der Brutto- und Nettoschulden des Staates in Ungarn. Bruttoschulden bedeuten alle Verbindlichkeiten der Staatskasse gegenüber Dritten, Nettoschulden: brutto abzüglich der Forderungen gegenüber Dritten. Zahlen: Nationalbank, Grafik: MTI. Der größte Teil der Schuldenreduktion seit 2010 gelang jedoch nur durch Einmalmaßnahmen, vor allem die „Umbuchung“, also Beschlagnahme ehedem verpflichtender privater Rentenbeiträge in einer Gesamthöhe von 10,5% des BIP, wovon rund die Hälfte für die Schuldentilgung verwendet wurde. Diesen Effekt herausgerechnet und davon ausgehend, dass sich der Forintkurs irgendwann nicht mehr künstlich hochhalten lässt, ist die Performance beim Schuldenabbau negativ, denn für einen substantiellen (nicht einen bilanztechnisch oder rechnerischen) fehlt es an Wachstum und entsprechenden Budgeteinnahmen. Auch die Flat tax hat daran einen Anteil. Die Planungen der Regierung sahen das Land für Ende 2012 bereits bei unter 75% Schuldenquote, Ende 2014 wollte man scho die 70er Marke durchstoßen, allerdings ist all das, wie vieles andere, durch die verhinderte Wachstumsperformance und eine abenteuerliche Haushaltspolitik hinfällig geworden.
Daten, Eurostat, Grafik: Pressestelle der EU Ungarn ist – auch mit den Werten von 2012 – das, bezogen aufs BIP, am höchsten verschuldete Land in Osteuropa, liegt aber EU-weit im Schnitt, in etwa gleichauf mit Deutschland. Allerdings haben Staaten mit einem sehr hohen Pro-Kopf-BIP und entsprechender Produktivität, weniger Probleme sich zu refinanzieren, als schwächelnde Schwellenländer. Auch bei der Pro-Kopf-Verschuldung liegt von den osteuropäischen Ländern einzig Slowenien noch vor Ungarn.
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