(c) Pester Lloyd / 13 – 2013 NACHRICHTEN 28.03.2013
Die Regierung plant die Wiedereinführung des Systems der Schulinspektoren, wie es in Ungarn bis 1985 "funktionierte". Das erläuterte die Staatssekretärin für die Pflichtschulen, Rózsa Hoffmann, die kürzlich von den Agenden der höheren Bildung wegen Unfähigkeit entbunden wurde , vor der Presse mit direkter Bezugnahme auf das “erfolgreiche System” unter Kádár. Hoffmann legitimierte diese Idee damit, dass es ein solche System heute "in fast 20 europäischen Ländern" gebe, außerdem hätten bei einer Umfrage 1999 (!) 80% der Lehrer die Wiedereinführung gefordert. Die Schulaufsicht soll durch rund 3000 Lehrer, die mit rund 250 Mio. Forint EU-Geldern zusätzlich zu Inspektoren geschult werden sollen, bewerkstelligt werden. Ab April gibt es erste "Testläufe", ab Herbst werde das System auf alle Schulen ausgedehnt, so Hoffmann. Die Lehrer-Inspektoren sollen dann mindestens einmal pro Woche in einer anderen Schule dem Unterricht beiwohnen und entsprechende Berichte und Fragebögen ausfertigen
Kritiker sehen in dem System einen weiteren Schritt hin zur zentralistischen Staatseinheitsschule, die mit der Übernahme von 1500 Schulen unter Staatsaufsicht Anfang des Jahres begann. Die inspizierenden Lehrer würden weiter zur Spaltung der Lehrerschaft genutzt werden können, es gibt bereits ein sogenanntes „Karrieremodell“, das Gehaltserhöhungen von entsprechenden Schulungen und Beurteilungen, aber auch von der Bereitschaft auf Mehrarbeit abhängig macht, während auf der anderen Seite mehrere Tausend Lehrerstellen gestrichen werden sollen. Schulinspektionen gibt es tatsächlich in vielen Ländern, doch dienen sie dort vor allem der Dienstaufsicht und das Berichtswesen ist dezentral und nicht – wie in Ungar heute – auf eine politisch eingenordete Spitze zugeschnitten. red.
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