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Nationalbibliothek stellt Musikbestände online

Handschriften aus Bardejov und historische Tonaufnahmen werden zugänglich

Budapest/Bardejov. Die ungarische Nationalbibliothek, Országos Széchényi Könyvtár, hat in kurzer Folge zwei größere Musikbestände digital zugänglich gemacht. Im Zentrum steht eine Sammlung frühneuzeitlicher Notenhandschriften aus Bártfa, ergänzt durch den Ausbau eines Online-Archivs historischer Tonaufnahmen.

Die sogenannte Bártfai Sammlung umfasst mehr als 2600 Handschriften aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Sie dokumentieren die kirchenmusikalische Praxis einer protestantischen Stadt im damaligen Oberungarn. Das Repertoire ist international geprägt – niederländische, deutsche und italienische Komponisten stehen neben regionalen Bearbeitungen. Einzelne Werke sind nur hier überliefert.

Die Sammlung entstand im Umfeld eines Bildungsnetzwerks mit engen Verbindungen nach Wittenberg. Eine zentrale Rolle spielte Leonart Stöckel, der die Schule in Bártfa leitete und die Ausrichtung der Stadt prägte. Die Handschriften zeigen entsprechend keinen abgegrenzten „nationalen“ Stil, sondern einen offenen Austauschraum.

Der Bestand gelangte 1915 nach Budapest und wurde nun erstmals vollständig auf Werkebene erschlossen und digitalisiert. Damit wird er international nutzbar, zugleich verschiebt sich der Kontext: Herkunftsort und heutiger Aufbewahrungsort fallen auseinander. Die Frage, wie dieses Material eingeordnet wird – als ungarisch, slowakisch oder europäisch –, bleibt offen.

Parallel hat die Bibliothek ihr Online-Archiv Hangtár ausgebaut. Mehr als 1600 zusätzliche historische Aufnahmen wurden freigeschaltet, darunter frühe Einspielungen von Werken von Franz Liszt, Béla Bartók und Zoltán Kodály. Ein Schwerpunkt liegt auf Grammophonaufnahmen aus den späten 1920er Jahren, die im Rahmen staatlich initiierter Programme entstanden und das musikalische Repertoire der Zeit dokumentieren.

Auch hier ist der Quellenwert unbestritten. Zugleich zeigt die Auswahl, wie eng Archivierung und kulturelle Narrative miteinander verbunden sind – etwa bei der Hervorhebung bestimmter Werke und Traditionen gebenüber anderen Materialien.

Die Aussendung der Nationalbibliothek liest sich etwas politisch bieder – von ausdrücklichem Lob gegenüber der Regierung war zu lesen.

Quellen: Országos Széchényi Könyvtár
Photo: OSZK / Digitale Sammlung

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