Kreml-nahe Kreise kalkulieren mit Fidesz-Niederlage
Budapest/Moskau. Das russische Regime bereitet sich auf eine mögliche Wahlniederlage von Viktor Orbáns Fidesz-Partei vor. Wie das unabhängige russische Portal Meduza unter Berufung auf kremlnahe Quellen berichtet, sei innerhalb der russischen Führung die Erwartung erwachsen, dass selbst ein Erfolg in den Proporz-Direktwahlkreisen nicht mehr realistisch sei.
„Anfangs hoffte man, Orbán könne das Blatt noch wenden […] inzwischen hat man im Kreml erkannt, dass auch das nicht funktionieren wird„, zitierte Meduza eine anonyme Quelle aus dem Umfeld der Regierung.
Desinformationsstrategie und mediale Rahmung
Bereits im Vorfeld hatten internationale Medien wie die Financial Times und die Washington Post über mögliche russische Manipulationsversuche im ungarischen Wahlkampf berichtet. Demnach soll ein vom Kreml gebilligtes Konzept existieren, das auf eine gezielte Stärkung des Images Orbáns als global vernetzter „starker Führer“ abzielt, während Oppositionsführer Péter Magyar und die Tisza-Partei als „Werkzeuge Brüssels“ dargestellt werden.
Wenn heute Parlamentswahlen wären, wem würden Sie ihre Stimme geben?
- TISZA (46%, 113 Stimmen)
- MKKP (16%, 40 Stimmen)
- DK (16%, 39 Stimmen)
- FIDESZ (15%, 36 Stimmen)
- Unabhängige (zb. Ákos Hadházy) (8%, 19 Stimmen)
- Andere (0%, 1 Stimmen)
- MH (0%, 0 Stimmen)
Wähler insgesamt: 248
Offiziell weisen sowohl der Kreml als auch die russische Botschaft in Budapest entsprechende Vorwürfe zurück. Gleichzeitig räumte eine Meduza-Quelle ein, dass „die Kampagne nicht direkt vom Präsidialamt gesteuert wird, aber im Bereich sozialer Medien Unterstützung erfolgt„.
Für den Fall einer Wahlniederlage zeichnet sich laut Bericht bereits eine kommunikative Strategie ab: Russische staatsnahe Medien könnten einen Machtwechsel in Ungarn als Ergebnis einer vom Ausland gesteuerten Farbrevolution darstellen. Der Begriff wird vom Kreml anders als in Europa negativ-konnotiert für prowestliche politische Umbrüche in Staaten wie Georgien (2003), Ukraine (2004) oder Armenien (2018) verwendet.

Große Hoffnung legt der Kreml nicht mehr in Orbán – „Selbst mit unserer Hilfe waren sie zu nichts fähig“, zitierte Meduza einen kremlnahen Strategen.
Bleiben Sie über Ungarn informiert – wir senden Ihnen monatlich einen kompakten Nachrichtenspiegel – Abonnieren sie unseren kostenlosen Newsletter
Pester Lloyd ist ein unabhängiges Medium. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, hilft jeder Beitrag, freien Journalismus zu ermöglichen – Unterstützen sie den Pester Lloyd
Hier gehts zum LIVETICKER UNGARN WAHL 2026
Quellen: meduza.io, hvg.hu
Photo: EPA









