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Afghanistan fünf Jahre nach Taliban-Machtübernahme – Humanitäre Krise und Gender-Apartheid

Kabul. Fünf Jahre nach der gewaltsamen Machtübernahme durch die Taliban steht Afghanistan vor einer schweren humanitären Krise. Millionen Kinder leiden unter Hunger, und die Gesundheitsversorgung ist weitgehend zusammengebrochen. Die Zivilgesellschaft und politische Beobachter warnen vor einer gefährlichen 'Normalisierung' des radikalislamischen Regimes, das Afghanistan seit August 2021 in einen radikalislamischen 'Gottesstaat' umwandelt. Die Scharia dient in ihrer extremsten Auslegung als alleinige Rechts- und Staatsordnung, was zu einer systematischen Verletzung der Menschenrechte führt.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die Aufnahme von Gesprächen mit EU-Staaten wie Österreich über Abschiebungen nach Afghanistan. Im Februar 2026 empfing das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) eine Taliban-Delegation in Wien, um die operative Koordination von Abschiebungen straffälliger Afghanen zu besprechen. Diese Verhandlungen würden das Taliban-Regime de facto legitimieren, so der Vorwurf aus der Zivilgesellschaft. Die humanitäre Lage verschärft sich weiter, während die internationale Gemeinschaft über den Umgang mit den Taliban diskutiert.

Besonders betroffen von den Taliban-Maßnahmen sind Frauen, die systematisch aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden. Afghanistan ist das weltweit einzige Land, das Mädchen die Bildung ab der siebenten Klasse verbietet, was laut UNICEF mittlerweile 2,6 Millionen Mädchen betrifft. Durch das Studienverbot für Frauen droht mittelfristig der Totalausfall der weiblichen Gesundheitsversorgung, da Frauen in Afghanistan nur von Ärztinnen behandelt werden dürfen. Die Müttersterblichkeitsrate ist mit 638 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten die höchste in Asien.

Die internationale Gemeinschaft, darunter auch die EU, steht vor der Herausforderung, einerseits humanitäre Hilfe zu leisten und andererseits die Taliban nicht zu legitimieren. Die EU gehört zu den größten Geldgebern Afghanistans, und die Unterstützung verhindert laut Experten eine noch größere Katastrophe. Dennoch schwinden die Gelder für humanitäre Hilfe, da internationale Geldgeber die Zusammenarbeit mit den Taliban scheuen. Die UNO warnt vor einer historischen Hungersnot, da fast die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen im ersten Quartal 2026 unter akuter Unterernährung litt.

Afghanistan-Experte Thomas Ruttig glaubt nicht, dass sich die Taliban unter Druck setzen lassen. Er sieht es als 'Selbstüberschätzung' des Westens, nach dem katastrophalen Abzug aus Afghanistan 2021 zu glauben, Druckmittel gegen die Taliban in der Hand zu haben. Die internationale Gemeinschaft müsse sich fragen, für welche menschenrechtlichen Prinzipien sie stehe und diese auch in den Gesprächen mit den Taliban einfordern. Solange sich der Dialog jedoch vor allem auf Abschiebungen beschränke, werde man in Afghanistan nichts erreichen.

Quellen: ORF, DW
Photo: Paulrudd / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

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