(c) Pester Lloyd / 24 – 2009 WIRTSCHAFT 12.06.2009
Ungarns Verbraucherpreise steigen trotz Krise
Dass die Mainflation in Ungarn höher ausgefallen ist als gedacht, erklärt Finanzminister Péter Oszkó vor allem mit den Schwankungen des Forint und einem saisonalen Anstieg der Lebensmittelpreise. Während die Teuerungsraten in fast ganz Europa krisenbedingt rückläufig sind, in Deutschland sogar zum Stillstand kamen, stiegen die Verbraucherpreise in Ungarn im Mai für 2009 um 3,8%, erwartet wurden maximal 3%. Von Monat zu Monat betrug der Anstieg immerhin 1,5%. Die Prognosen für den Jahresverlauf divergieren dementsprechend.
Der Forint, mittlerweile wieder bei unter 280 Forint angekommen (heute 276, Kursziel laut Unicredit für 2 Wochen sogar 263), ist noch längst nicht aus dem Schussfeld internationaler Spekulation. Wäre er es, hätte die Nationalbank längst die Zinsen gesenkt. Eine Entwicklung wieder Richtung 300 zum Euro ist nur eine Frage entsprechender Nachrichten und dahinter agierender Finanzflüsse. Kartoffeln + 62%!
Innerhalb eines Monats stiegen die Lebensmittelpreise in Ungarn im Schnitt um fast 5%, wobei fast nur saisonale Produkte für den Anstieg verantwortlich waren, teilte das Statistische Amt in Budapest mit. So wurden Kartoffeln (!) um 62% teurer, Obst im Schnitt um 30%, Gemüse um 15%. Fleisch und Wurst blieben fast unverändert, ebenso Milch und Eier. Die Energiekosten für Haushalte verringerten sich minimal um 0,4%, Kraftstoffe stiegen um 0,8%. Über 12 Monate gerechnet, stiegen aber auch die Energiekosten um 8,5%, Gas war der größte Treiber mit fast 21%, Strom stieg moderat um 2,8%. Bier, alkoholische Getränke und Tabakwaren stiegen zwischen 6 und 9,25%. Auch der 7%ige Anstieg im öffentlichen Nahverkehr trug seinen Teil zur höheren Infaltionsrate bei.
Dennoch hält Oszkó weiter am Regierungsziel von 4,5% Gesamtinflation für 2009 fest. Nach einer Analyse der ungarischen Raiffeisenbank war der Anstieg der Lebensmittelpreise der stärkste seit 1998. Besorgt ist man, dass auch die Kraftstoffpreise in den letzten Wochen mehrmals erhöht wurden, eine Juni-Inflation von über 4% scheint nun möglich, für das Gesamtjahr sind über 8% längst nicht mehr ausgeschlossen. Im Juli steht den Ungarn zudem eine Mehrwertsteuererhöhung um satte 5 Prozentpunkte bevor. Die Takarekbank sieht die Jahresinflation eher bei um die 6%, der weltweite Druck auf die Lebensmittelpreise wird auch auf Ungarn durchschlagen. Ewartungen, die ungarische Zentralbank könnte im Herbst die äußerst hohen Leitzinssätze (9,5%) senken, würden durch die hohe Inflationsrate deutlich gedämpft, hieß es.
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