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Paks schaltet Reaktor gänzlich ab – Historische Donau-Trockenheit erzwingt drastische Maßnahme

Geplanter Sicherheitsstopp im Kernkraftwerk unterstreicht die Folgen der anhaltenden Dürre – Regierung bereitet Krisenszenarien vor, sieht Stromversorgung jedoch nicht gefährdet

Budapest. Die außergewöhnliche Niedrigwasserlage der Donau hat in Ungarn eine neue Phase der Dürrekrise erreicht. Nachdem das Kernkraftwerk Paks seine Leistung in den vergangenen Tagen bereits schrittweise reduziert hatte, wurde am Mittwoch Block 3 kontrolliert vom Netz genommen. Grund ist der historisch niedrige Wasserstand der Donau, deren Wasser zur Kühlung der Reaktoren benötigt wird.

Ministerpräsident Péter Magyar betonte, es handle sich ausdrücklich nicht um eine technische Störung, sondern um eine planmäßige Sicherheitsmaßnahme nach den vorgeschriebenen Betriebsprotokollen. Der Pegel der Donau bei Paks sei inzwischen auf minus 118 Zentimeter gefallen. Dadurch verliere das Kraftwerk rund 750 Megawatt seiner insgesamt etwa 2.000 Megawatt Leistung.

Bereits zuvor waren die Blöcke 1 und 3 mehrfach gedrosselt worden, um die Umweltauflagen für das in die Donau zurückgeleitete Kühlwasser einzuhalten. Über diese Entwicklung hatte Pester Lloyd bereits berichtet. Mit der vollständigen Abschaltung eines Reaktorblocks verschärft sich die Lage nun weiter.

Nach Angaben der Regierung arbeiten das Wirtschafts- und Energieministerium, der Netzbetreiber MAVIR, MVM und die Kraftwerksleitung in Paks fortlaufend zusammen. Wasserstand, Stromproduktion und Netzlast würden stündlich neu bewertet.

Versorgung gesichert – dennoch laufen Vorbereitungen für den Ernstfall

Trotz des Ausfalls von Block 3 sieht die Regierung die Stromversorgung des Landes derzeit nicht gefährdet. Ministerpräsident Péter Magyar verwies darauf, dass Ungarn über Stromimportkapazitäten von 3.600 bis 3.800 Megawatt verfüge. Selbst ein vollständiger Ausfall des Kernkraftwerks Paks würde die Versorgung der Bevölkerung daher nicht unmittelbar gefährden.

Dennoch bereitet sich die Regierung auf eine mögliche weitere Zuspitzung der Lage vor. Am Mittwoch nahm ein operativer Krisenstab für die Energieversorgung seine Arbeit auf. Er soll verschiedene Szenarien bewerten und unter anderem einen Rotationsplan für den Fall zusätzlicher Engpässe ausarbeiten.

Sollten Einschränkungen erforderlich werden, würden nach Regierungsangaben ausschließlich große Industrieverbraucher betroffen sein. Krankenhäuser, soziale Einrichtungen und andere kritische Infrastrukturen sollen von möglichen Lastbegrenzungen ausdrücklich ausgenommen bleiben.

Magyar rief die Bevölkerung zugleich zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Energie auf. Die Regierung fordere die Menschen nicht auf, auf Klimaanlagen oder Strom zu verzichten, sondern den Verbrauch nach Möglichkeit zeitlich zu verlagern, um Lastspitzen im Netz zu vermeiden. Hintergrund sind zugleich Aufrufe in regierungsnahen sozialen Medien, Klimaanlagen und Gefriergeräte bewusst auf maximale Leistung zu stellen, um das Stromnetz während der Hitzewelle zusätzlich zu belasten. Magyar verurteilte entsprechende Aktionen scharf und erklärte, es sei nicht zu rechtfertigen, dem eigenen Land in einer Krisensituation bewusst Schaden zufügen zu wollen. Zugleich dankte er Beschäftigten in den Bereichen Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Gesundheitswesen, öffentlicher Verwaltung und Katastrophenschutz für ihren Einsatz während der anhaltenden Hitzewelle.

Die Donau entwickelt sich zum gesamteuropäischen Krisenfaktor

Die Ereignisse in Paks stehen im Zusammenhang mit einer außergewöhnlichen Dürre, die weite Teile Mittel- und Südosteuropas erfasst hat. Wie Pester Lloyd bereits über den historischen Rekordtiefstand der Donau in Budapest berichtete, sind inzwischen nicht mehr nur Schifffahrt und Wasserwirtschaft betroffen. Die Energieversorgung entwickelt sich zunehmend zu einem weiteren kritischen Bereich.

In Budapest fiel der Wasserstand der Donau inzwischen auf historische Tiefstwerte. Auch entlang des gesamten Flussverlaufs treten die Folgen immer deutlicher zutage. Frachtschiffe können zahlreiche Abschnitte nur eingeschränkt oder gar nicht mehr befahren, Kreuzfahrtschiffe müssen ihre Anlegestellen verlegen, während in Serbien hunderte Boote auf trockengefallenen Uferbereichen festsitzen. In Bulgarien mussten Behörden 186 Passagiere eines auf einer Sandbank festgefahrenen Kreuzfahrtschiffes evakuieren. Darüber hinaus legte Rumänien aus denselben Gründen einen Reaktor des Kernkraftwerks Cernavodă still und kündigte die Abschaltung eines weiteren Blocks an. Darüber berichtete die Nachrichtenagentur Associated Press.

Die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände legen inzwischen auch sonst verborgene Bereiche des Flussbettes frei. In Budapest musste vergangene Woche die Margaretenbrücke zeitweise gesperrt werden, nachdem eine Weltkriegsbombe am freigelegten Flussgrund entdeckt worden war.

Neue Hitzewelle erhöht den Druck auf Wasser- und Energieversorgung

Ab Mitternacht tritt in ganz Ungarn die Hitzewarnstufe 3 in Kraft. Nach Angaben der Regierung entsteht über Mitteleuropa eine neue Hitzeglocke, die Temperaturen von deutlich über 35 Grad bringen dürfte.

Neben der Stromversorgung bereitet inzwischen auch die Trinkwasserversorgung Sorgen. Regionale Einsatzstäbe prüfen die Situation in besonders betroffenen Gemeinden. Wasserwerke und Streitkräfte bereiten sich darauf vor, Reservoirs aufzufüllen oder notfalls Trinkwasser mit Tankfahrzeugen bereitzustellen.

Am Donnerstag will der zuständige Umweltminister gemeinsam mit den zehn regionalen Wasserversorgern eine Liste besonders großer Industrieverbraucher festlegen, deren Wasserverbrauch in einer weiteren Eskalationsstufe eingeschränkt werden könnte.

Meteorologen erwarten in den kommenden Tagen weiterhin keine nennenswerten Niederschläge im Einzugsgebiet der Donau. Damit dürfte sich die außergewöhnliche Belastung für Wasserwirtschaft, Schifffahrt und Energieversorgung zunächst fortsetzen.

Quellen: Associate Press, MTI
Photo: Blick auf das Kernkraftwerk Paks von Dunaszentbenedek aus (29. Juli 2026), MTI/Daniel Kiss

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