(c) Pester Lloyd / 20 – 2012 POLITIK 18.05.2012
Wenn am nächsten Sonntag
54% der wahlberechtigten Ungarn wollen von keiner Partei mehr irgendetwas wissen. Das ist die wohl markanteste Aussage der aktuellen Wahlumfrage des Institutes Ipsos und spiegelt die Stimmung im Lande am deutlichsten. Das sind weitere drei Prozentpunkte mehr Generalablehnung als im Vormonat. / 40% lehnen jede Art von Asylgewährung ab.
Die Regierungsparteien Fidesz-KDNP kommen auf eine Unterstützung unter allen Wahlberechtigten von 16% und verlieren damit wieder die 3 Prozentpunkte, die sie im ersten Quartal aufholen konnten. Zur Erinnerung: 2010 betrug die Unterstützung im gesamten Wahlvolk um die 30%. Die Sozialdemokraten (MSZP) kommen auf 13% Anhängerschaft, ebenfalls -2 Punkte gegenüber dem ersten Quartal, jedoch unverändert zum Vormant und nur unweit der Situation bei den letzten Wahlen. Die neofaschistische Jobbik kommt auf 9%, die grün-liberale LMP 4% und die MSZP-Abspaltung Demokratische Koalition (DK) auf 2%.
Unter den Wählern, die auch zur nächsten Wahl gehen würden und auch bereits wissen, wo sie ihr Kreuzchen machen werden, kommt es zu folgendem Ergebnis (Sonntagsfrage, in Klammern das Ergebnis von 2010): Fidesz 37% (53), MSZP 28% (19), Jobbik 19% (17), LMP 8% (7), DK 4% (-). Bemerkenswert ist auch die Einschätzung, die der Ministerpräsident über seine Performance aus dem eigenen Lager erhält. Von allen Fidesz-Anhängern, wurde die Arbeit von Viktor Orbán 2010 mit einem Wert von 85 auf einer Skala von 100 bewertet, heute liegt er bei 62 Punkten.
Hinzuzufügen ist, dass der MSZP-Wert bei Ipsos der höchste unter allen Umfragewerten ist. Die meisten anderen sehen die Ex-Partei von Ex-Premier Gyurcsány bei 22-25%, die Jobbik dagegen meist über 20%.
Mehr Aktuelles zum Thema: Regierungsparteien in Ungarn behalten Vorsprung trotz Schmitt-Blamage Mogelpackung – Verzerrungen und Wähler 2. Klasse im neuen Wahlrecht für Ungarn
Kaum Ausländer, Hass steigt trotzdem
Die Kollegen vom Institut Tarki befragten die Ungarn zu ihrer Einstellung gegenüber Flüchtlingen und stellten dabei fest, dass der Anteil derjenigen „die prinzipiell jeden Asylbewerber aus Ungarn abweisen würden“, um 10 Prozentpunkte angestiegen ist und mittlerweile bei 40% liegt, noch 49% befürworten ein reguliertes Asylwesen. Tarki listet auch auf, in welchen sozialen Milieus die größte Fremdenfeindlichkeit zu finden ist: so ist sie größer bei Nichtwählern, jenen, die vorhaben im Ausland zu arbeiten, jenen mit niedrigerem Bildungsabschluss, jenen, die hohe Bankschulden haben und ist bei Roma so hoch wie bei Jobbik-Anhängern, nur das Objekt wechselt entsprechend. Die Zahl der Asylbewerber ist in Ungarn, im Unterschied zu anderen EU-Ländern, geradezu marginal. Das Land wird eher als Transit in den Westen benutzt. Hinzuzufügen ist, dass die meisten Ungarn die Roma, Bürger ihres Landes, als Fremde betrachten.
Straftat Asyl – Mai 2012 Ungarn behandelt Flüchtlinge wie gemeine Verbrecher
Schuld sind immer die Anderen – Mai 2012 Parlamentsbericht macht Medien und Bürgerrechtler für rassistische Eskalation in Ungarn verantwortlich
Denkmal für Hitler-Paktierer Horthy in Ungarn eingeweiht und „umgestaltet“
Weit und breit kein Widerstand – Mai 2012 Faschisten marschieren in Ungarn ungestört
Rechtsextreme Autoren im nationalen Lehrplan (bei Blog Pusztaranger)
Rassismus als Konsens? – Dez 2011 Sogar bei den ungarischen Grünen hält die Hälfte Roma für genetisch kriminell
Unser monatlicher Nachrichtenspiegel: die wichtigsten Meldungen aus Ungarn und Mitteleuropa, einmal im Monat per E-Mail. Kostenlos, kein Spam, jederzeit abbestellbar.
Nachrichtenspiegel kostenlos abonnieren





