(c) Pester Lloyd / 23 – 2009 WIRTSCHAFT 04.06.2009
Rettung oder Teufelswerk?
Was der Opel-Deal für Ungarn bedeutet
Das GM-Opel-Werk in Szentgotthárd wird kaum um weitere Entlassungen bei den rund 1.100 Mitarbeitern herumkommen. Wahrscheinlich wird es aber von Bedeutung für die Neuausrichtung Opels bleiben. Immerhin können die Ungarn noch einen Kostenvorteil bei sich angleichender Produktivität gegenüber den westeuropäischen Standorten vorweisen, viel mehr aber nicht.
Was konkret der Rettungsplan für Opel für das ungarische Werk in Szentgotthárd bedeutet, darüber spekulieren Experten und Medien in Ungarn in den letzten Tagen. Da der Deal noch alles andere als sattelfest ist, sind eindeutige Antworten bisher schwer zu geben. Bis wirklich alle Details geklärt sind und Finanzierung und Strategie vertraglich festgezurrt sein werden, könnte noch ein halbes Jahr ins Land gehen. Es geht vor allem darum, GM Central & Eastern Europe in die neue Opel-Gruppe zu integrieren. Auch der deutsche Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier wurde bei seinem gestrigen Besuch in Budapest auf den Opel-Einstieg des österreichisch-kanadischen Automobilzulieferers Magna angesprochen. Vor allem der Einfluß der staatlichen russischen Sberbank stößt in Ungarn auf Bedenken. Einerseits, weil man grundsätzlich Vorbehalte gegen alles Russische pflegt, andererseits, weil diverse Aktivitäten seitens Gazprom (siehe Emfesz-Story) bestehende Vorurteile über Eroberungsambitionen der Russen zu bestätigen scheinen.
Steinmeier wies sehr entschieden daraufhin, dass man froh sein könne, dass Opel nun kein amerikanisches Konkursverfahren wie seine Mutterfirma General Motors zu durchlaufen habe, womit er indirekt nochmals die von Wirtschaftsminister Guttenberg vertretene Linie kritisierte. Sein ungarischer Amtskollege, Péter Balázs, eher kein Auto- oder Wirtschaftsexperte ergänzte, dass „der russische Anteil an Magna für sich genommen noch kein Teufelswerk ist, falls das Unternehmen berechenbar bleibt“.
Produktion um ein Viertel geschrumpft
Klar scheint, dass das Opel-Werk in Szentgotthárd kaum um weitere Entlassungen herumkommen wird, aber wohl wahrscheinlich von Bedeutung für die Neuausrichtung Opels bleibt. Immerhin können die Ungarn noch einen Kostenvorteil bei sich angleichender Produktivität gegenüber den westeuropäischen Standorten vorweisen. Zeitarbeiter wurden bereits gekündigt, die Produktion gedrosselt und teilweise die 4-Tage-Woche eingeführt. Da in Szentgotthárd auch Motoren für Chevrolet gefertigt werden, wird eine Umstrukturierung und Verkleinerung nicht zu verhindern sein, ob GM dann Kunde bleibt, ist fraglich. András Danos, Kommunikationschef von Opel Ungarn bestätigte, dass sich die Auftragseingänge seit Ausbruch der Krise um ein Viertel verringert haben, derzeit arbeiten noch 1.100 Menschen im Werk, davon rund die Hälfte allerdings auf Zeitarbeitsbasis. Ca. 3.000 weitere Arbeitsplätze hängen direkt von dem Werk ab. Der Verkauf von Opel in Ungarn sank um 27% im ersten Quartal. Allerdings wurde der Rückgang auch durch die deutsche Abwrackprämie erheblich abgefedert, sonst hätte er über 45% betragen. Man wartet nun das endgültige Abkommen zwischen Magna und Deutschland ab, von dem gesagt wird, dass es auch noch scheitern könne.
GM begann 1990 mit seiner Tätigkeit in Ungarn und investierte in das Werk in Westungarn anfänglich um 125 Mio EUR. 1992 rollte der erste Astra vom Band und es wurde mit der Produktion von 1,6 und 1,8-Liter-Motoren für GM begonnen, später auch die der ECOTEC-Motoren für den Corsa. 1996 kam eine Produktionslinie für Zylinderköpfe hinzu. Die Motorenfertigung wurde dann im Powertrain Magyarország-Werk zusammengefasst. 1997 wurde in Budapest zusätzlich die Südosteuropa-Zentrale etabliert, 2002 wurde sie zum Headquarter für ganz Osteuropa in Budaörs erweitert.
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