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Paks-Ausfall legt Schwächen der Energiepolitik Ungarns offen - Hitzewelle

Die Hitzewelle zwingt Ungarn zum Ausnahmezustand im Stromsektor. Nach dem Ausfall des Kernkraftwerks Paks beschwört die Regierung den politischen Schulterschluss, während kurzfristige Notmaßnahmen und langfristige Strukturreformen gleichermaßen auf der Agenda stehen.

Budapest. Die anhaltende Hitzewelle entwickelt sich zunehmend zu einer energiepolitischen Belastungsprobe für Ungarn. Nach Beratungen im Sándor-Palast mit den Fraktionsvorsitzenden des Parlaments rief Ministerpräsident Péter Magyar und Interimspräsidenting Agnes Forsthoffer am Montag zu Geschlossenheit auf. Angesichts des Ausfalls des Kernkraftwerks Paks und der anhaltenden Dürre sei parteipolitischer Streit fehl am Platz. Stattdessen brauche das Land rasche Entscheidungen und eine langfristige Wasser- und Energiestrategie.

Auslöser der Krise sind die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände der Donau infolge der Rekordhitze. Das Kühlwassersystem des Kernkraftwerks Paks stößt dadurch an seine Grenzen. Noch ist ein Turbinensatz in Betrieb, doch die Regierung rechnet damit, dass auch dieser in den kommenden Tagen abgeschaltet werden muss. Die nukleare Sicherheit sei nicht gefährdet, betonte Magyar. Die Notkühlsysteme verfügten über ausreichende Reserven.

Um Versorgungslücken zu vermeiden, bereitet die Regierung ältere Gaskraftwerke auf einen möglichen Einsatz vor und setzt zunächst auf freiwillige Verbrauchsreduktionen der Industrie. Mehrere hundert Unternehmen beteiligen sich bereits an entsprechenden Programmen. Sollten diese Einsparungen nicht ausreichen, könnten verpflichtende Einschränkungen für Großverbraucher folgen. Stromabschaltungen für Privathaushalte seien nach derzeitigem Stand nicht vorgesehen.

Den wirtschaftlichen Schaden des Paks-Ausfalls bezifferte der Ministerpräsident vorläufig auf rund 50 Milliarden Forint. Zugleich machte er deutlich, dass die Kosten nicht auf die Verbraucher abgewälzt werden dürften. Vielmehr seien sie die Folge jahrelang verschleppter Investitionen in die Energieinfrastruktur.

Einigkeit herrschte bei dem Treffen auch darüber, dass Ungarn seine strukturellen Defizite angehen muss. Der Ausbau von Stromspeichern, Windkraftanlagen und einer modernen Wasserwirtschaft müsse beschleunigt werden. Magyar warb dafür, dafür verfügbare EU-Mittel konsequent einzusetzen und energiepolitische Entscheidungen stärker an fachlichen Empfehlungen auszurichten.

Die Energiekrise fällt mit einer historischen Hitzewelle zusammen. Der Wetterdienst HungaroMet registrierte am Sonntag neue Temperaturrekorde in Budapest. Am Nachmittag wurden in Lágymányos 39,4 Grad Celsius gemessen – der höchste jemals an einem 2. August in der Hauptstadt registrierte Wert. Eine Entspannung der Wetterlage wird erst gegen Ende der Woche erwartet.

Quellen: MTI, HungaroMet
Photo: MTI/Bodnár Boglárka

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