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Banken in Ungarn zahlen weiter drauf

(c) Pester Lloyd / 13 – 2011 WIRTSCHAFT 01.04.2011

Banken in Ungarn zahlen weiter drauf
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Banken in Ungarn zahlen weiter drauf

KOMMENTARE

Böser Staat, schlechte Kundschaft

Banken in Ungarn zahlen weiter drauf

Die Gewinnsituation der in Ungarn tätigen Banken bleibt weiter schlecht. Die vergleichsweise hohe Bankensteuer, vor allem aber die sich anhaltend verschlechternde Zahlungsfähigkeit der privaten Kreditnehmer machen das Geschäft der Institute zunehmend unprofitabel. Die aktuellen Zahlen der Budapest Bank, der CIB-Bank sowie der MKB belegen diese langanhaltenden Geschäftshemmnisse. Dem ungarischen Staat kommt diese Entwicklung sogar entgegen.

Wer keinen Verlust macht, ist schon ein reicher Mann

Die Budapest Bank, Tochter der Finanzdivision des Großkonzerns General Electric erreichte 2010 einen Gewinn nach Steuern von 10,2 Milliarden Forint (ca. 38 Mio EUR). Das bedeutet zwar einen Gewinnrückgang von 21% gegenüber dem Vorjahr, aber in der ungarischen Bankenlandschaft ist man heute schon ein reicher Mann, wenn man keine Verluste macht. Vorstandschef Sean Morrissey verwies bei einem Pressegespräch am vergangenen Dienstag auf 4,5 Milliarden Forint (ca. 17 Mio EUR), die sein Insititut 2010 an Sondersteuer an den Staat zu zahlen hatte, was den Vorsteuergewinn um 20% auf 12,2 Mrd. HUF drückte, da die Bankensteuer als eine Art Negativumsatz gebucht wird und auf die Bilanzsumme berechnet wird, damit ihn die Finanzinstitute nicht einfach auf die Kunden abwälzen können. (das werden sie sicher irgendwann später erledigen.) Frag doch den Inder: wie der Mobilfunker Telering in Österreich,

ist auch das Werbegesicht der BB indisch – warum auch immer…

Der Kreditbestand der BB sank 2010 um 2% auf 652,3 Mrd. Forint, die Einlagen stiegen um 1% auf 726,6%, was in Fachkreisen als sehr gesundes Verhältnis angesehen wird. Rekordverdächtig hingegen ist der Anteil an „non-performing loans“, also faulen Krediten. Dieser wuchs bei Konsumentenkrediten um 5 Punkte auf 16% des Gesamportfolios an, bei Unternehmenskrediten fielen 10% aus, 2,3 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr.

Zinseinnahmen steigen, Abschreibungen steigen aber schneller

Für einen Gewinn hat es bei der CIB Bank, einer Tochter der italienischen Intesa Sanpaolo 2010 nicht mehr gereicht. Nach Steuern betrug der Verlust 15,2 Mrd. Forint (heute rund 57 Mio EUR), 2009 hatte man mit 4,5 Mrd. Forint noch einen kleinen Gewinn erwirtschaftet. Die Zahlen sind in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, sie würden einen deutschen Sparkassendirektor wahrscheinlich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen: während die Nettozinseinahmen der CIB um 44% auf 52 Mrd. HUF gestiegen sind, was heißt, dass die Leute brav Kredite zurückzahlen und mehr als zuvor, musste die Bank dennoch 94 Mrd. Forint (350 Mio EUR) an Risikoprovisionen für gefährdete Kredite zurücklegen, 2009 lag dieser Betrag bei 67 Mrd. HUF, Geld, das zu einem hohen Prozentsatz als verloren zu gelten hat. Deutlich eingebrochen sind auch die Einnahmen aus Kommissionen, Gebühren und die Gewinne aus „finanziellen Transaktionen“, die deutlich machen, dass sich die Bank aus Währungs- Aktien und anderen Handelsgeschäften weiter zurückzieht und sich fast nur noch um das Krediportfolio kümmert. Zum Anteil der faulen Kredite machte die Bank keine konkreten Angaben, sagte nur, dass der Anstieg im Branchenschnitt gelegen habe, also jetzt bei rund 12-15% liege dürfte.

Die MKB ist bald sturmreif geschossen

Die Ungarische Außenhandelsbank (MKB) gibt die Rate fauler Kredite mit 12,4% für 2010 bei Unternehmen (+2,3) und 11% bei Konsumentenkrediten (+3,3) an, der Vorsteuerverlust der Tochter der ebenfalls schlingernden BayernLB summierte sich 2010 auf fast 118 Mrd. Forint (443 Mio EUR). Vorstandschef Tamás Erdei verkündete diese Zahlen am Mittwoch, er ist gleichzeitig Präsident der Ungarischen Bankenvereinigung und oberster Frontkämpfer der Branche gegen die staatliche Bankensteuer. Seine Aufgabe ist es, jedesmal fürchterlich entsetzt zu tun, wenn die Regierung einmal mehr Beschlüsse über die Köpfe der Banken hinweg fast, so z.B. auch über den Schutz von Schuldnern vor Zwangsräumungen oder Anweisungen zur verbilligten Umwandlung von Forex- in Forintkredite. Erreicht hatte Erdei auf diesem Schlachtfeld bisher nichts, da die Robin-Hood-artige „Anzapfung“ der Banken als mutmaßlich größtem Schuldigen der Krise im Volk auf begeisterte Zustimmung trifft. Die Verluste der Banken sind ein politischer Gewinn für Orbán, die Kreditklemme kommt als Problem erst danach. Die Bayern LB hat mit dem Ergebnis der MKB jedoch ein handfestes Problem, denn eigentlich sollte die Tochter verkaufsfit gemacht werden. Im Rahmen des Bankenrettungsplans, bei dem die landeseigene bayerische Bank Landes- und Staatshilfen bekam, musste sie sich – auch gegenüber der EU – zu einer deutlichen Reduzierung ihrer Aktivitäten verpflichten, die u.a. die Abstoßung einiger Auslandstöchter beinhaltet. Mit dem Ergebnis sinkt der mögliche Verkaufspreis (an den Verkauf ist ca. 2013 gedacht) rapide. Das ist alles im Sinne des ungarischen Staates, der schon einmal Kaufinteresse an der MKB gezeigt hat. Damals war der Preis zu hoch, Kreditkrise und Sondersteuer könnten das Institut nun aber bald sturmreif geschossen haben. Die Bayern wollen, so wurde kolportiert wenigstens 1 Mrd. EUR für ihren Anteil an der Bank, Ungarn wollte – über die staatseigene Entwicklungsbank MFB – gerade 300 Mio. EUR zahlen.

Freilich betonte CEO Erdei, dass die Verluste nur „temporär“ seien und die Kreditfäulnis langsamer wächst als im Schnitt des Marktes. 14 Mrd. Bankensteuer schlugen zu Buche, ebenso gigantische 149 Mrd. Forint Risikorücklagen, diese verschämte Umschreibung von verlorenem Geld. Diese Summe würde nun reichen, zwei Drittel der Non-Performing Loans abzudecken, auch soll sich die Quote nicht weiter verschlechtern, verspricht der Bankdirektor, was ja – folgt man diesen Ausführungen – keine weiteren Rücklagen 2011 erfordern sollte. Wir werden sehen. red. / J.S.

Zur Schuldensituation:

Jeder Zehnte praktisch pleite – Feb 2011

Anstieg der Kreditausfälle in Ungarn um ein Drittel – Leitzins unverändert

Zur Bankensondersteuer:

Staatlicher Banküberfall? – Juni 2010

Banken und Versicherungen machen Front gegen Sondersteuer in Ungarn http://www.pesterlloyd.net/2010_24/24bankensteuer/24bankensteuer.html

Mehr Hintergründe im Ressort FINANZMARKT

Einzelergebnisse:

OTP Bank Ungarn mit hohen Kreditverlusten – März 2011

http://www.pesterlloyd.net/2011_09/09OTPQ4/09otpq4.html

K&H-Bank Ungarn mit Gewinneinbruch – März 2011

(Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 9/2010 (II))

Erste Bank machte 2010 in Ungarn Verluste – Feb. 2011

(Erste Bank machte 2010 in Ungarn Verluste)

Erste Bank Ungarn schließt Filialen – Dez 2010

(Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 50/2010)

Gewinneinbruch bei ungarischen Banken wegen der Sondersteuer – Feb 2011

(Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 8/2011)

OTP und K&H Bank: Gewinnrückgang, Verlust, Entlassungen – Nov 2010

(OTP und K&H Bank: Gewinnrückgang, Verlust, Entlassungen)

FHB: Bankensteuer frisst Gewinn fast vollständig auf – Nov. 2010

(Quartalsergebnisse und Nachrichten aus Unternehmen in Ungarn)

CIB-Bank Ungarn: Risiko frisst Gewinne – Aug. 2009

(Kurzmeldungen aus Ungarn — KW 35/2009 (II))

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